Gedanken und Zitate...

Dieses Thema im Forum "Gute Erfahrungen" wurde erstellt von PuntoRosso, 25 Dezember 2009.

  1. Achim

    Achim Sehr erfahrener Benutzer

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    Schwierigkeiten bringen Talente ans Licht,
    die bei günstigeren Bedingungen unbemerkt bleiben würden.


    Quintus Horatius Flaccus, 65–8 v. Chr.,
    röm. Schriftsteller
     
  2. Achim

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    Wir leben mit mehr Menschen zusammen, als wir ertragen können,
    und wir leben mit mehr Dingen zusammen, als wir beherrschen können.


    Yona Friedmann, *1923,
    ungar. Architekt
     
  3. Achim

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    Eines Tages – ich war gerade das erste Jahr in der Schule – sah ich einen Jungen aus meiner Klasse über den Schulhof nach Hause gehen. Er hieß Michael. Es sah so aus, als würde er alle seine Bücher mit sich tragen. Ich dachte mir: »Warum bringt wohl jemand seine ganzen Bücher an einem Freitag nach Hause? Das muss ja ein richtiger Dummkopf sein!« Mein Wochenende hatte ich schon verplant mit meinen Freunden; also zuckte ich mit den Schultern, ging meiner Wege und dachte mir weiter nichts bei Michaels sonderbarer Bücherschlepperei.

    Ich hatte erst einige Schritte getan, da sah ich eine Gruppe anderer Jungs in seine Richtung laufen. Sie rempelten ihn an, schlugen ihm seine Bücher aus den Armen und schubsten ihn so heftig, dass er in den Schmutz fiel. Seine Brille flog durch die Luft, und ich beobachtete, wie sie etwa drei Meter neben ihn im Gras landete. Er kroch am Boden umher und suchte seine Brille. Ich ging zu ihm rüber. Ich sah Tränen in seinen Augen, und mein Herz wurde weich. Als ich ihm seine Brille gab, sagte ich: »Hier! Ich hab sie. Diese Typen sind Blödmänner!« Er schaute zu mir auf und sagte: »Danke!« Ein großes Lächeln zierte sein Gesicht. Es war eines jener Lächeln, die wirkliche Dankbarkeit zeigten. Ich half ihm, seine Bücher aufzuheben und fragte ihn, wo er wohnte. Es stellte sich heraus, dass er ganz in meiner Nähe wohnte, und fragte ich ihn, warum ich ihn vorher nie gesehen hatte. Er erzählte mir, dass er zuvor auf eine Privatschule gegangen war. Ich hätte mich nie mit einem Privat-Schul-Kind abgeben.

    Den ganzen Nachhauseweg unterhielten wir uns, und ich trug seine Bücher. Er war etwas zurückhaltend, aber eigentlich ein richtig nett. Ich fragte ihn, ob er Lust hätte, mit mir und meinen Freunden am Samstag Fußball zu spielen. Er sagte zu. Wir verbrachten das ganze Wochenende zusammen, und je mehr ich Michael kennenlernte, desto mehr mochte ich ihn. Und meine Freunde dachten genauso über ihn. –

    Es begann der Montagmorgen, und auch Michael mit dem riesigen Bücherstapel war wieder da. Ich sprach ihn an und sagte: »Mit diesen ganzen Büchern wirst du eines Tages noch mal richtige Muskeln bekommen!« Er lachte und gab mir einen Teil der Bücher.

    Während der nächsten vier Jahre wurden Michael und ich richtig gute Freunde. Die Jahre vergingen. Als sich unsere Schulzeit dem Ende näherte, dachten wir über ein Studium nach. Michael entschied sich für Wien und ich mich für Salzburg. Ich wusste, dass wir immer Freunde sein und diese Kilometer zwischen uns niemals ein Problem darstellen würden. Er wollte Arzt werden, und ich selbst hatte vor, eine Fußballkarriere zu beginnen…

    Michael war Abschiedsredner unseres Jahrgangs. Ich war froh, dass nicht ich derjenige war, der sprechen musste. Am Abschlusstag sah ich Michael. Er war einer von denen, die während der Schule zu sich selber gefunden und ihren eigenen Stil entwickelt hatten. Dennoch war unübersehbar, dass er wegen seiner Rede sehr nervös war. Ich gab ihm einen lieben Klaps und sagte: »Hey! Du machst das schon!« Er sah mich mit einem jener Blicke (der wirklich dankbaren) an und lächelte. »Danke«, sagte er.

    Als er seine Rede begann, räusperte er sich kurz und fing an: »Der Abschluss ist eine Zeit, um denen zu danken, die dir halfen, diese schweren Jahre zu überstehen: deinen Eltern, deinen Lehrern, deinen Geschwistern, vielleicht einem Trainer – aber am meisten deinen Freunden. Ich sage euch, das beste Geschenk, dass ihr jemandem geben könnt, ist eure Freundschaft. Lasst mich euch eine Geschichte erzählen!«

    Man kann sich mein ungläubiges Staunen denken, als er nun von jenem Tag zu erzählen begann, an dem wir uns das erste Mal getroffen hatten und er von den anderen Kindern herumgeschubst worden war. Er war am Abend zuvor endgültig am Ende aller Hoffnung angekommen und hatte den endgültigen Entschluss gefasst, sich an diesem Wochenende umzubringen. Er erzählte weiter, dass er an diesem Tag nach der letzten Stunde seinen Schrank in der Schule ausgeräumt und alle seine Bücher herausgenommen hatte, so dass seine Mutter das später nicht tun müsste.

    »Gott sei Dank – ich wurde gerettet! Ein Junge aus meiner Klasse, den ich noch kaum recht kannte, hat mich davor bewahrt.«

    Er schaute mich an und lächelte. Ich konnte spüren, wie all die Zuhörer den Atem anhielten, als dieser doch so gutaussehende, beliebte Junge uns von dem Augenblick der tiefsten Verzweiflung in seinem Leben erzählte. Aus den Augenwinkeln bekam ich mit, dass ein paar Meter rechts von mir zwei Köpfe sich gleichzeitig bewegten. Unwillkürlich sah ich hin. Es waren Michaels Eltern, die lächelnd zu mir herübersahen. Es war genau dasselbe, dankbare Lächeln, das ich bei Michael gesehen hatte. Niemals zuvor hatte ich eine solch tiefe Verbundenheit verspürt.

    In diesem Moment verstand ich etwas: Wir werden wohl kaum jemals recht einschätzen, kaum jemals auch nur ahnen können, in welche Situation eines anderen hinein die einfachste Geste unserer Mitmenschlichkeit in Wahrheit trifft.
     
  4. Achim

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    Entweder kommst du bereits heute eine Stufe höher
    oder du sammelst deine Kräfte,
    damit du morgen höher steigst.


    Friedrich Nietzsche, 1844–1900,
    dt. Philosoph
     
  5. Achim

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    Zwei Dinge sind zu unserer Arbeit nötig:
    unermüdliche Ausdauer und die Bereitschaft,
    etwas, in das man viel Zeit und Arbeit gesteckt hat,
    gegebenenfalls wieder wegzuwerfen.


    Albert Einstein, 1879–1955,
    dt.-amerik. Physiker
     
  6. Achim

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    ...durchaus verspätet, wie ich gerne zugebe ;), will ich es dennoch nicht vergessen:

    Wie lange ich lebe, liegt nicht in meiner Macht.
    Dass ich aber, solange ich lebe,
    wirklich lebe,

    das hängt sehr wohl von mir ab.

    Lucius Annaeus Seneca, ca. 4 v. Chr. – 65 n. Chr.,
    röm. Philosoph
     
  7. Achim

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    Der Weg zu allem wahrhaft Großen
    geht durch die Stille.


    Friedrich Nietzsche, 1844–1900,
    dt. Philosoph
     
  8. Achim

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    Bevor man die Welt verändert,
    wäre es vielleicht doch wichtiger,
    sie nicht zu Grunde zu richten.


    Paul Claudel, 1868–1955,
    frz. Schriftsteller, Dichter und Diplomat




    Alle denken nur daran, wie sie die Menschheit verändern könnten,
    doch niemand denkt daran, sich selbst zu ändern.


    Leo Tolstoj, 1828–1910,
    russ. Schriftsteller
     
  9. Achim

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    Man sieht oft etwas hundert Mal, ja tausend Mal,
    bevor man es zum ersten Male richtig sieht.

    Christian Morgenstern, 1871–1914,
    dt. Dichter und Übersetzer
     
  10. Achim

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    Selig die Liebenden



    Selig sind, die aufmerksam sind und dem anderen zuhören,
    denn sie werden immer mehr zueinander gehören.

    Selig sind, die eigene Schwächen akzeptieren und die des anderen zu verstehen suchen,
    denn sie werden Angst abbauen und Vertrauen gewinnen.

    Selig sind, die über sich selbst lachen können,
    denn sie werden frei und gelöst mit anderen leben.

    Selig sind, die sich immer mehr einfühlen können in den anderen,
    denn ihre Liebe geht unter die Haut.

    Selig sind, die sich öffnen können für die Eigenarten des anderen,
    denn sie werden überrascht eine neue Welt wahrnehmen,

    Selig sind, die sich trotz aller Enttäuschungen treu bleiben,
    denn Gott hält zu ihnen und schaut sie zärtlich an.

    Selig sind, die sich mit all ihren Sinnen liebkosen,
    denn im Reigen der Sinne ist Gott mit im Spiel.

    Selig sind die sich hingeben, um den Menschen an ihrer Seite glücklich zu machen,
    denn sie werden Gottes Liebe spüren.



    Keine Ahnung, von wem das stammt. Ist mir heute Morgen im Trauungsgottesdienst über den Weg gelaufen (auch die Braut wusste keine Auskunft zu geben), und jetzt »verwerte« ich es gleich weiter ;) … Aber Vorbild, Modell für die Struktur des Textes ist natürlich die berühmte Bibelstelle im Matthäus-Evangelium (gleich am Anfang von Kapitel 5).
     
  11. Achim

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    Wer das Ziel kennt, kann entscheiden;
    wer entscheidet, findet Ruhe;
    wer Ruhe findet, ist sicher;
    wer sicher ist, kann überlegen;
    wer überlegt, kann verbessern.


    Konfuzius, 551–479 v. Chr.,
    chin. Philosoph
     
  12. Achim

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    Ich bitte nicht um Glück der Erden,
    Nur um ein Leuchten dann und wann:
    Dass sichtbar deine Hände werden
    Und ich deine Liebe ahnen kann,


    Nur in des Lebens Kümmernissen
    Um der Ergebung Gnadengruß:
    Dann wirst du, Herr, es am besten wissen,
    Wieviel ich tragen kann und muss.



    Annette von Droste-Hülshoff, 1797–1848,
    dt. Dichterin



    Gott hilft uns nicht immer
    am Leiden vorbei.
    Aber er hilft uns
    hindurch.


    Johann Albrecht Bengel, 1687–1752,
    ev. Theologe
     
  13. Achim

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    Wer von Anfang an genau weiß, wohin sein Weg führt,
    der wird es nie weit bringen.


    Napoleon I. [Bonaparte], 1769–1821,
    frz. Kaiser
     
  14. Achim

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    Der Alltag der meisten Menschen
    ist stilles Heldentum in Raten.


    Anna Magnani, 1908–1973,
    ital. Schauspielerin
     
  15. Achim

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    Geduld ist die Stütze der Schwäche,
    Ungeduld der Ruin aller Stärke.


    Charles Caleb Colton, 1780–1832,
    engl. Kleriker und Schriftsteller