Wer bin ich?

Dieses Thema im Forum "Andere/r Kummer, Sorgen, Probleme" wurde erstellt von invisible, 31 Oktober 2017.

  1. invisible

    invisible Neuer Benutzer

    Registriert seit:
    31 Oktober 2017
    Beiträge:
    1
    Hallo,

    Ich bin 23 Jahre alt und bin schon seit längerer Zeit an einem Punkt an dem ich nicht mehr weiter weiß. Man entwickelt sich immer wieder weiter und verändert sich, was durchaus auch wichtig ist. Aber bei all den Veränderungen finde ich nicht mehr zu mir selbst. Ich weiß nicht wer ich bin und wer ich sein möchte. Ich vergleiche mich so sehr mit Anderen das ich an mir nichts mehr Gutes sehe. Die ständige Unsicherheit etwas falsch zu machen und mir und anderen Menschen nicht zu gefallen und genug zu sein steht mir dabei so im Weg das ich Dinge nicht so ausführen kann wie ich mir das manchmal wünsche. Viele sehen immer die gut gelaunte Person aber innerlich fühle ich mich seit Jahren nicht mehr glücklich. Es gibt Tage an denen ist alles so gut das es sich fast nicht aushalten lässt aber die anderen Tage kämpfe ich so sehr auf den Beinen zu stehen. Seit zwei Jahren studiere ich und habe dort nette Freunde gefunden bei welchen ich mich so sehr wohl fühle und dieses Denken zeitweise ablegen konnte. Einer der Freunde, außerdem mein Mitbewohner, hat sich vor ein paar Monaten bei uns im Haus umgebracht. Der Suizid kam so überraschend und hat mich total aus der Bahn geschmissen. Viele meiner Freunde in meinem Heimatdorf und auch mein langjähriger Freund verstehen nicht das ich deshalb so traurig bin. Sie wissen nicht wie wichtig mir der Mensch war, wie sehr er fehlt und wie stark die Vorwürfe an sich selbst bei so einer Situation sind. Ich traue mich nicht mit jemanden darüber zu reden da es für alle nur eine Belastung ist. Viel zu oft habe ich mir anhören müssen wie nervig ich doch mit meinen immer gleichen Problemen bin und das es doch keinen interessiert. Vielleicht steigere ich mich momentan zu sehr in Alles rein aber ich fühle mich so unglaublich leer. Der Sinn und die Freude am Leben ist weg und ich tue mir schwer momentan nach Gründen zu suchen welche mich motivieren weiter zumachen. Ich würde mir so sehr wünschen in Zukunft zu wissen wer ich bin und dies zu akzeptieren und dabei einfach glücklich zu sein. Ich hoffe ich habe mein Problem einigermaßen verständlich ausgedrückt. Es ist schwer so etwas in Worte zu fassen vor allem wenn man Probleme hat sich irgendwem zu öffnen. Vielleicht kann mir irgendjemand einen Ratschlag geben. Dankeschön schon einmal im Voraus für Eure Zeit und Mühe :)

    Liebe Grüße
     
  2. Achim

    Achim Sehr erfahrener Benutzer

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    Liebe »invisible!«

    Nun ist es schon volle zwei Wochen her, dass Du hier im Forum geschrieben hast, ohne bislang eine Antwort zu bekommen. Und vielleicht hat Dich das enttäuscht, vor allem, wo Du Dir ja so viel Mühe gegeben hast, alles gut darzustellen und zu erzählen. Und da will ich also vielleicht einmal mit dem anfangen, mit dem Du aufgehört hast: Das ist Dir wirklich sehr gut gelungen, und man versteht sofort alles, was Du sagen willst! Das war ja so eine Deiner Befürchtungen. Aber ich kann Dir versichern, dass alles gut und auch »richtig« angekommen ist. Gut? –

    Die Frage danach, wer Du eigentlich bist, als Mensch, als Persönlichkeit, die Frage nach dem, das ist die drängendste von allen, und das, wenn ich Dich richtig verstanden habe, eigentlich seit Jahren schon. Ich kann Dich gut verstehen. Denn sie nicht beantworten zu können – oder, falls es zu schwierig in Worte zu fassen ist, keine innere Vorstellung davon zu haben, wer man ist und was man möchte –, das ist doch, als hätte man im Grunde genommen keinen Boden, innerlich, auf dem man stehen könnte. Und die Hände können nur dann sinnvoll handeln, wenn der Geist, wenn die Seele Boden unter den Füßen hat. (Das ist ja dasselbe Bild, das Du auch selbst gebraucht hast: »Aber an den anderen Tagen kämpfe ich so sehr darum, auf den Beinen zu stehen.«) Und ich verstehe sehr gut, dass Du Dich oft orientierungslos fühlst. Und dass dieser permanente innere Vergleichszwang mit den anderen Dich in Deinem Fragen nach Dir selbst so überhaupt nicht weiterbringt, sondern bisweilen eher noch weiter hinabzuziehen droht. Wenn ich mir Deine Situation, so in aller Ruhe, durch den Kopf gehen lasse, dann stoße ich auf eine Frage: Kannst Du Dich noch daran erinnern, wann und wie Dein Kampf um Dich selbst angefangen? Wenn Du zurückschaust: Wie bist Du eigentlich an diesen Punkt gelangt, der jetzt so schmerzhaft für Dich ist? Kannst Du vielleicht bestimmte Momente, Stationen, Begegnungen, Ereignisse ausmachen? –

    Das andere Thema ist gewiss der Suizid Deines Mitbewohners und Deine große Trauer um ihn. Und wie isoliert Du Dich fühlst, weil die anderen Deine Reaktion darauf so gar nicht nachvollziehen, sich so gar nicht in Dich hineinversetzen können. Natürlich habe ich keine Universalantwort darauf. Aber mich interessiert, welches die Bedeutung war, die er für Dich hatte und die die anderen offenbar einfach nicht verstehen können. Wenn Du möchtest, dann kannst Du hier davon erzählen, aber falls Dir das lieber ist als hier so öffentlich im Forum, dann kannst Du mir natürlich auch über PN schreiben. – Soweit einmal fürs Erste?

    Viele liebe Mutmach-Grüße!
    Achim