Von überglücklich zu tief traurig in nur einem Monat

Dieses Thema im Forum "Andere/r Kummer, Sorgen, Probleme" wurde erstellt von Nadja.., 17 Februar 2018.

  1. Nadja..

    Nadja.. Neuer Benutzer

    Registriert seit:
    17 Februar 2018
    Beiträge:
    2
    Hallo zusammen,
    Ich bin 29 Jahre alt und war bis vor einem Monat noch total glücklich und habe im Leben gestanden und hätte wirklich von mir sagen können, dass ich zufrieden bin.
    Ich war mit meiner Freundin glücklich, fast fünf jahre zusammen, wir wohnten zusammen, haben nie wirklich gestritten und uns blind verstanden.
    Mit meiner Familie, sprich Bruder und Mutter hatte man sehr oft Kontakt und es war alles wirklich schön.

    Dann kam alles anders.

    Vor etwas vier Wochen wurde bei meiner Mutter Lungenkrebs diagnostiziert.
    Es war so ein schock für mich.
    Meine Mutter ist alles für mich, auch wenn ich schon 29 Jahre alt bin, aber sie war immer für mich da und wir haben so viel durchgestanden.
    Ich habe nur noch sie, mein vater hat sich vor Jahren von ihr getrennt und ist durch ein herzstillstand zum pflegefall geworden.
    Nach der Diagnose Lungenkrebs wurde sofort die erste Chemotherapie eingeleitet.
    Es war alles so viel und unbegreiflich für mich und ich war froh meine Partnerin zu haben, die mich etwas auffangen konnte und ich fühlte mich nicht ganz allein.

    Doch leider wurde es meiner Freundin zu viel und sie trennte sich vor drei Tagen von mir.
    Sie zog von jetzt auf gleich aus.
    Ich weiß garnicht wo mir der kopf steht.
    Sie sagte grade in der Situation wo ich so sehr jemand brauche, merkte sie das sie nicht so für mich da sein kann und die Gefühle für eine Beziehung nicht ausreichen.

    Ich bin so fertig.
    Habe solche angst Gefühle und fühle mich so einsam und hilflos.

    Ich war nie der Mensch der sich irgendwo hilfe gesucht hat, lieber helfe ich und in allen anderen Situationen war immer meine Mutter für mich da.
    Jetzt belaste ich meine Mutter auch noch mit meiner Traurigkeit.

    Ich weiß nicht mehr weiter.
    Es ist eine Qual in der gemeinsamen Wohnung zu schlafen, in der man vor vier tagen noch glücklich war und dann diese Gedanken eventuell meine mutter an dem krebs zu verlieren.

    Ich wünschte es wäre alles nur ein schlechter Traum, aber jeden Tag merke ich wie real das alles ist.

    Was kann ich nur tun?
    Warum passiert das jetzt alles auf einmal?
     
  2. Achim

    Achim Sehr erfahrener Benutzer

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    Liebe Nadja!

    Ich glaube, die Überschrift, die Du Deinem Eintrag gegeben hast, spiegelt nur allzu getreu wider, wie es gerade in Dir aussieht: Die letzten vier Wochen, die waren ein regelrechter Absturz für Dich! Die See ist spiegelglatt – und dann bricht, buchstäblich wie aus heiterem Himmel, die Hölle los. Es gibt keine Erklärung für den plötzlichen Sturm. Und Du hattest nicht die geringste Chance, ihn vorherzusehen. Oder auch nur zu ahnen. Und ich kann wahrlich sehr gut nachvollziehen, dass Du Dich gerade voller Angst und Schmerzen fühlst und wie ins Bodenlose zu fallen drohst, und das auch noch immer schneller, nachdem Dir das Leben gerade eben dermaßen brutal den Boden unter den Füßen weggezogen hat: die Angst um Deine Mutter, die Trennung von Deiner Freundin – jedes für sich allein würde bei weitem schon ausreichen, um Dich in eine Krise zu stürzen, richtig? Und jetzt auch noch beide Hiebe direkt nacheinander!

    Was Du erzählst, erinnert mich stupende an jenen Abschnitt in meinem eigenen Leben, der sich vor ungefähr fünf Jahren abgespielt hat: Zunächst war meine berufliche Perspektive geplatzt, vier Monate später verließ mich meine Freundin (ihre Gefühle, ganz genau, reichten nicht aus, und sie verliebte sich in einen anderen). Und drei weitere kurze Wochen später starb, unter ziemlich scheußlichen Umständen, sehr richtig, – meine Mutter…

    Du sagst: »Ich bin so fertig.« Wenn ich mich an damals erinnere, dann ist »fertig« gar kein Ausdruck. Zumindest keiner, der den wahren Gefühlen auch nur einigermaßen nahekommt. Und wenn Du von Deinen Angstgefühlen sprichst und von Deiner Einsamkeit, dann weiß ich sofort, was Du meinst. Und wie es sich anfühlt, von der geliebten Frau so im Stich gelassen zu werden. (Dieses Letztere sehe ich natürlich längst differenzierter. Aber damals, als es akut war, ging das selbstverständlich nicht.)

    Jetzt fragst Du am Schluss, was Du nur tun könnest. Und das zeigt ja nur allzu deutlich, dass das gar nicht so einfach ist, wie es immer klingt: »hinschlagen – Krone richten – weitergehen«. Oder? Ich habe Deinen Eintrag inzwischen einige Male gelesen, und ich gewinne den Eindruck: Den tiefen Liebeskummer wirst Du vermutlich eines Tages verarbeitet bekommen (ohne dass sich das nach einem oberflächlichen Zweckoptimismus anhören soll, der Deinen Schmerz und Deine Trauer über den Verlust Deiner Freundin nicht wahrnimmt; im Gegenteil. Aber Hoffnung ist so wohltuend!) Jedoch um Deiner erdrückenden Angst begegnen zu können – und um Deiner schlimmen Einsamkeit die Macht zu nehmen – könntest Du vielleicht ganz gut jemanden gebrauchen, der im Alltag eine Weile so ein bisschen an Deiner Seite geht. Was meinst Du? Es hängt sicherlich nicht zuletzt davon ab, wie stark momentan Dein Drang ist, Dich von allem und allen zurückzuziehen.

    Wenn Du möchtest, dann melde Dich einfach jederzeit gerne wieder. Gut?

    Viele liebe und herzliche Mutmach-Grüße!
    Achim
     
  3. Nadja..

    Nadja.. Neuer Benutzer

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    17 Februar 2018
    Beiträge:
    2
    Wow, danke Achim.
    Es freut mich dass du antwortest!
    Sind ja wirklich viele parallelen bei uns.
    Wie geht es dir denn jetzt?
    Wie hast du es geschafft aus diesem loch raus zu kommen?
    Bin echt erstaunt wie viel und schön du antwortest.
    Hatte erst sorge mich hier anzumelden, aber wusste nicht mehr weiter.
    Ich danke dir!!