Ich wünsche meinem Bruder den Tod

Dieses Thema im Forum "Familie" wurde erstellt von MerleMustermann, 13 März 2018.

  1. MerleMustermann

    MerleMustermann Neuer Benutzer

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    Hi an alle!

    Seit einiger Zeit liegt mir etwas auf der Seele, das ich einfach mal loswerden muss und vielleicht hat ja der ein oder andere von euch einen Rat für mich oder kennt eine ähnliche Situation.

    Das Ganze hat eine ewig lange Vorgeschichte, aber ich versuche, es kurzufassen. Vor sieben Jahren hatte mein großer Bruder einen sehr schweren Autounfall und ist seitdem sowohl geistig als auch körperlich eingeschränkt. Im Großen und Ganzen kann man ihn sich vorstellen, wie ein Kleinkind im Körper eines Erwachsenen, da er vom Geist her einfach denkt und agiert, wie ein kleiner Junge, obwohl er in Wirklichkeit schon 28 ist.
    Nun ist es so, dass der Unfall meines Bruders und sein gesundheitlicher Zustand meine Familie, sprich unsere Eltern und mich als seine Schwester, vollkommen aus der Bahn geworfen hat, natürlich. Es war monatelang nicht einmal klar, ob er überhaupt überlebt, aus dem Koma aufwacht, sprechen, reden, denken kann. Es gab lebensgefährliche Operationen, einen Schlaganfall, ein Schädelhirntrauma, tausende Tränen, Wut, Angst, Verzweiflung. Einfach das volle Programm.
    Mittlerweile ist sein gesundheitlicher Zustand stabil, aber er ist eben eingeschränkt und das, was mich so unsagbar stört, ist die Tatsache, dass mein Bruder meine gesamte Familie auf Trab hält. Meine Eltern springen sofort, wenn er mit den Fingern schnippt, sie pudern ihm sprichwörtlich den Hintern. Sie sind ständig mit ihm unterwegs, fahren zu Ärzten und Krankenhäusern, kümmern sich um alles, was er möchte (und sei es noch so unwichtig!), opfern ihre freien Tage und den Urlaub komplett für ihn auf. Sie kriechen mittlerweile auf dem Zahnfleisch, weil sie keine Zeit mehr für sich selbst haben und darunter leide nicht nur ich, sondern auch ihre Ehe.
    Und auch ich werde von meinem Bruder beschlagnahmt. Ich bekomme täglich 50 Sms oder Anrufe, soll mich ständig um irgendwas kümmern, ihn besuchen, mit ihm spielen, ihn bespaßen. Man kann sich das Ganze vorstellen, wie einen Vollzeitjob und das obwohl sowohl meine Eltern als auch ich bereits einen Vollzeitjob haben! UND obwohl mein Bruder eigentlich in einer Wohngruppe lebt und gar nicht immer zu Hause ist! Das muss man sich mal vorstellen... er schafft es sogar, uns zu stressen, wenn er gar nicht vor Ort ist.
    In letzter Zeit ist er häufiger als sonst zu Hause, da es einen Geburtstag gab und einen wichtigen Termin und es sich einfach so ergab, dass er mehrfach hintereinander nach Hause kam. Jetzt merke ich aber langsam, dass meine Grenze erreicht ist und ich wirklich nicht mehr kann - und nicht mehr will!
    Seit sieben Jahren muss ich mit dieser Situation leben und egal was ich versuche, es ändert sich nichts. Meine Eltern lassen sich weiterhin mit dem Argument "aber er ist doch unser Kind!" komplett ausnutzen, bis sie irgendwann elendig vor die Hunde gehen werden und mein Bruder ist und bleibt eine fordernde, ungeduldige, anstrengende, aggressive, undankbare Nervensäge.
    Heute saßen wir alle zusammen beim Abendessen und während mein Bruder von seinem Tag bei der Thearpie erzählt hat, habe ich ihn angesehen und mir heimlich still und leise vorgestellt, wie ich ihm einen Revolver an die Schläfe presse und abdrücke. Ich habe mir vorgestellt, wie ich ihm wehtue und ihn leiden lasse.

    Und das macht mir furchtbare Angst. Ich bin schockiert von mir selbst! Ich liebe meinen Bruder, aber ich denke, meine Familie und ich wären besser dran, wenn er bei dem Unfall gestorben wäre und ich wünsche mir, er wäre es. Das klingt grausam und ich fühle mich schrecklich deswegen, aber es ist die Wahrheit.. Ich wünschte, wir könnten ihn irgendwie loswerden. Und während ich das hier schreibe, ekel ich mich vor mir selbst, denn verdammt, er ist doch mein Bruder! Aber er hat alles, was wir hatten, zerstört, weil er damals wieder einmal wie ein Irrer Auto gefahren ist und er wird meine Eltern und mich mit seiner fordernden Art ins Grab bringen.

    Es bleibt mir nichts anderes übrig, als die Situation zu akzeptieren, das ist mir klar. Denn ich kann weder ändern, wie meine Eltern mit dem Ganzen umgehen wollen, noch meinen Bruder irgendwo aussetzen und hoffen, dass er nicht nach Hause findet.
    Doch ich bin so voller Wut und anderen negativen Gefühlen, dass es mir schier utopisch scheint, die Situation je akzeptieren zu können...

    Was also soll ich tun? Habt ihr einen Rat für mich?

    Lieben Dank für's Durchlesen! <3
     
  2. Diesel

    Diesel Benutzer

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    Willkommen im Leben Merle, denke eher,du meinst dein Leben geht kaputt, warum sprichst du deinen Eltern das recht ab, wann-wie oft- wie Stark sie sich um ihren Sohn kümmern dürfen oder wollen?! Sollen sie dich in den Arm nehmen und Schauckeln ? Ja, bestimmt auch, weil das jeder mal braucht, aber ganz besonders braucht es jetzt ein "Schwächerer" als du, dein Bruder! Einsicht und Gruß Diesel
     
  3. MerleMustermann

    MerleMustermann Neuer Benutzer

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    Hallo Diesel,

    vielen Dank für Deine Antwort, aber ich fürchte, Du hast mich missverstanden. Es geht mir nicht darum, im Arm geschaukelt zu werden, sondern darun, dass mein Bruder dabei ist, meine Familie zu zerstören, weil meine Eltern und ich einfach überlastet sind (im Übrigen sehen meine Eltern das ebenso, deshalb steht gar nicht zur Frage, ob ich ihnen irgendein Recht absprechen möchte) und ich nun einen Weg suche, mit dieser Situation umzugehen oder ihr vielleicht zu entkommen. Dein “Einsicht und Gruß; hilft bei so einem komplexen Thema leider überhaupt nicht. Wäre Einsicht haben so leicht, würde ich hier nicht versuchen, Hilfe zu bekommen.

    Einsicht und Gruß
    Merle
     
  4. Diesel

    Diesel Benutzer

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    Hi Merle, zum einen wirst du hier keine Hilfe bekommen, sondern nur Sichtweisen der Verfasser und mit dem "Geschauckelt zu werden" ist Gemeint, das du mehr Zuwendung haben willst! Jetzt ist es natürlich eine neue Sichtweise, wenn deine Eltern auch darunter Leiden, was du nicht Geschrieben hast und hier gibt es Ämter die euch weiterhelfen können, nur so findet ihr eine Lösung, hier findet ihr Ansichten-Trost-Gesprächspartner! Ich wünsche euch alles Gute. Gruß Diesel
     
  5. Regentropfen-

    Regentropfen- Benutzer

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    6 Februar 2018
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    40
    Deine Überschrift, "ich wünsche meinem Bruder den Tod", ist ein sehr lauter Hilfeschrei.
    Das diese Äußerung, diesen deinen Gedanken, dich selber erschrecken ist für mich verständlich.
    Du bist psychisch wie körperlich mit der "Situation" deines Bruders überfordert und sehr erschöpft.
    Der letzte Abschnitt deines Beitrags zeigt mir, dass du nicht blind bist vor Wut sondern auch Selbstkritisch mit deinen Gefühlen und Gedanken umgehst.
    Für mich ist es so, dass dein Bruder mit keinerlei Absicht einen Versuch unternimmt deine Familie zu zerstören.
    Er hat das "größere Leiden" von euch, wenn ich das einmal so schreiben darf.
    Deine Eltern werden sich weiterhin um ihn kümmern, das wird wohl so sein.
    Sie werden gewiss an ihre psychischen wie körperlichen Grenzen stoßen.
    So wie auch du und es ist so, dass du auch Wut empfinden darfst, dieses ist menschlich.
    Du schreibst, das du deinen Bruder liebst.
    Verinnerliche dir doch einmal dieses und versuche deinem Bruder aus liebe zu helfen.
    Wenn du und auch deine Eltern sich opfern, ist es für euch eine massive Belastung und, es bringt solche Gedanken wie du sie hast mit sich.
    Ich habe keinen direkten Rat für dich parat, aber, versuche doch einmal innerlich deine Liebe zu deinem Bruder zu fühlen.
    Es ist doch so, dass man wenn man aus Liebe handelt, es einem leichter fallen kann, oder sogar tut.
    Ich weiß ja nicht, ob du offen und ehrlich mit deinen Eltern redest, dass du zu ihnen sagst wie dich die ganze Situation mit deinem Bruder, körperlich und psychisch überfordert.
    Ein offenes ehrliches Gespräch miteinander, ein gemeinsames weinen und ein offen legen der Gefühle, kann hilfreich sein.
    Du könntest ja zu deinen Eltern einmal sagen, das du für eine längere Zeit Abstand brauchst, um für dich eine Ruhe zu finden, damit du wieder Kraft sammeln kannst, nicht für deines Bruders leben, sondern für deines.
    Du wirst feststellen, deine Eltern wollen auch für dich alles gute, sie werden es verstehen, weil sie es selber spüren, das die Situation mit deinem Bruder sehr viel Lebensenergie erfordert.
    Deine Eltern müssen selber schauen wie sie damit zurecht kommen, das ist nun einmal so, aber, so sage ich einmal, wenn ihr euch einmal zusammensetzt, gemeinsam redet, gemeinsam weint, euch eure Kummer und Sorgen mitteilt, wird dieses eine sehr gute Hilfe sein.
    Ich drücke dir beide Daumen, dass du einen Weg findest der dich körperlich wie auch psychisch entlastet...