Ich kann nicht mehr

Dieses Thema im Forum "Angst, Angstanfälle, Prüfungsangst, Unsicherheit," wurde erstellt von annaa, 30 Oktober 2013.

  1. annaa

    annaa Neuer Benutzer

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    Ich weiß grad gar nicht, warum ich hier überhaupt was schreibe, da ich letztendlich sowieso ganz alleine mit allem klar kommen muss, aber naja.
    Um es relativ kurz zu fassen: Ich bin 17 und schreibe dieses Schuljahr mein Abi. Seit Anfang des Schuljahres wohne ich ganz alleine, weil meine Mom einen Job in einer anderen Stadt angenommen hat und ich nicht viel mit meinem psychisch kranken Bruder zu tun habe, da er mir meistens nur Schmerzen zufügt. Es gibt Tage an denen ich mich schrecklich einsam und von der ganzen Welt komplett alleingelassen fühle. Das nächste Problem wäre bei mir dann die Schule. 7,5 Jahre hab ich das Gymnasium jetzt schon durchgezogen, doch innerlich hat es mich kaputt gemacht. Da ich vor ungefähr 10 Jahren einen schweren Unfall hatte, bin ich ca. 40%ig behindert, was man mir aber überhaupt nicht ansieht. Jedoch merke ich das vorallem in der schule ziemlich stark, denn meine Leistungen sind nicht grade gut und das frisst mich unter anderem innerlich auf, da ich noch von Seiten meiner Mutter starken Druck kriege. Mit meinen freunden kann ich über solche Themen nicht wirklich reden, weil sie es entweder nicht verstehen oder mich einfach nur mitleidig angucken. Doch ich habe vor ein paar Wochen wieder angefangen mich selbst zu verletzen und weiß einfach nicht mehr weiter!
     
  2. Hallo annaa, es ist gut, dass du geschrieben hast. Gerade das du geschrieben hast, ist dir bestimmt schon eine Hilfe. Ich habe es gelesen und das zeigt, das du nicht alleine bist.
    Du schreibst, dass du dich selbst verletzt.
    Bist du in einer psychologischen Behandlung?
    LG
     
  3. annaa

    annaa Neuer Benutzer

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    nein bin ich nicht.
     
  4. Hast du einmal darüber nachgedacht dieses zu tun?
    Mir hat das bei meiner psychischen Erkrankung sehr viel geholfen.
    Es ist gut, wenn man sich Hilfe nimmt.
     
  5. Daniya

    Daniya Benutzer

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    Hallo annaa,
    es ist völlig in Ordnung, wenn man in einer solch schwierigen Lage steckt, dass man Hilfe braucht und diese auch bekommt.

    Sicherlich gibt es bei euch in der Nähe Beratungsstellen, an die Du Dich wenden könntest (Adressen, bzw. Telefonnummern, kann man im Internet finden).
    Ja, auch diesen Schritt musst Du alleine machen... Ich würde Dir so gerne schreiben, dass es nicht so wäre...!

    Die Leute dort haben Schweigepflicht, Du könntest also ganz offen über alles reden, Dich beraten lassen...

    Ich wünsche Dir Kraft in dieser äußerst schwierigen Lage und ganz viel Mut, um bald Hilfe zu finden.
    Viele Grüße
    Daniya
     
  6. KenTowr

    KenTowr Erfahrener Benutzer

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    Hallo annaa,

    wie geht es Dir momentan? Ich habe Dein Topic und die Antworten mitgelesen und mir fällt zu Beginn Deines Posts eine Formulierung auf:

    ", …da ich letztendlich sowieso ganz alleine mit allem klar kommen muss,…"

    Für mich liest sich diese Passage so, dass Du mit ALLEM alleine klarkommen musst. Ich weiss aus eigener Erfahrung, da kann es leicht geschehen, dass man Überlastung empfindet und/oder sich selber einmal - im schlimmen Fall sich permanent - überlastet. Wie empfindest Du den Gedanken, Dir zumindest in Angelegenheiten, die auch für viele (andere) Menschen zu anstrengend oder zu schwer sind, (vorübergehend) Hilfe zu holen? Meldet sich da eine Regung der Abneigung, Ungerechtigkeit, Schmerz, o.ä.; vielleicht gar ein Empfinden von Angst oder wenn Du ganz tief hinein in Dich hinein horchst- ist da vielleicht auch ein Wunsch z.B. verstanden zu werden, Dich angenommen zu fühlen etc.? Dies ist nur ein Beispiel etwa für ein Bedürfnis, das möglicherweise darauf wartet, "gehört" zu werden.

    Fällt es Dir leicht oder schwer, trotz des inneren und äußeren Drucks Zeit erübrigen und nachzufühlen versuchen, welche kleinen oder großen Wünsche Du zurückstellen musst, um zu funktionieren? Hast Du z.B. schon "immer" das Gefühl, alleine klar kommen zu müssen, dann möchte ich nicht ausschließen, dass Du dies verinnerlicht und Dich damit arrangiert haben könntest. Dies will und soll jedoch nicht bedeuten, dass es weiterhin so laufen muss. Vielleicht magst Du darüber berichten. Was denkst Du?

    lg KenTowr
     
  7. annaa

    annaa Neuer Benutzer

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    Hey Ken Towr,
    ich weiß nicht genau, aber ich hab in letzter Zeit einfach das Gefühl, dass ich nichts mehr hinkriege. In der Schule ist es zum Beispiel seit Anfang des Schuljahres so, alsob sich mein Kopf einfach weigert noch eine einzige neue Information aufzunemen und ich mich überhaupt nicht mehr konzentrieren kann. Außerdem bin ich jetzt viel schneller reizbar, was ich aber nicht nach außen hin zeigen kann. Nach der Schule bin ich dann immer so erschöpft, dass ich einfach nur noch ins Bett falle und schlafe.
    Und wenn ich wirklich in mich gehe, merke ich einfach nur wie extrem ich mich selbst hasse.
     
  8. KenTowr

    KenTowr Erfahrener Benutzer

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    Hi,
    Du schreibst, Deine Mutter habe einen Job in einer anderen Stadt angenommen, wohnt sie denn noch bei Euch? Ich kann mir nur bedingt vorstellen, dass Du ganz alleine mit Deinem Bruder in einem Haushalt lebst, oder habe ich da etwas falsch verstanden? Ich kann mir etwa vorstellen, dass bedingt durch eine längere Abwesenheit Deiner Mutter tagsüber möglicherweise ein mehr an Aufgaben auf Dich übertragen wurde. Magst Du dies vielleicht noch etwas konkretisieren? Es wäre zumindest eine zusätzliche Erklärung , warum Du Dich erschöpft fühlst. Vielleicht spielen aber auch noch andere Faktoren als die bereits genannten eine Rolle? Auf diese Frage am Schluss musst Du nicht antworten, wenn Du nicht möchtest. Ok?
    Nachtrag: natürlich steht Dir auch bei den anderen Fragen frei, ob Du darauf antworten möchtest. ;)

    KenTowr
     
    Zuletzt bearbeitet: 23 November 2013
  9. annaa

    annaa Neuer Benutzer

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    Meine Mom wohnt nicht mehr hier und kommt auch nur jedes zweite Wochenende oder seltener her, da sie ziemlich weit fahren muss. Mein Bruder hat auch eine eigene Wohnung. Ich wohne also alleine in einer kleinen zwei Zimmer Wohnung.
    Vor kurzem habe ich mich mit meiner Psychologin getroffen und die will mir einen Termin bei einer Psychaterin machen, da sie, nachdem ich ihr alles erzählt hab, gemeint hat, dass ich wahrscheinlich eine Depression hab.
    Ich hab das im Anschluss gegooglet und muss sagen, dass wirklich relativ viele der da genannten Symptome auf mich zutreffen, aber ich mir trotzdem nicht vorstellen kann, dass ich depressiv bin, da es mir zum Beispiel heute fast den ganzen Tag gut ging. Kann das trotzdem sein?
     
  10. KenTowr

    KenTowr Erfahrener Benutzer

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    Ich finde gut, dass Du Dir fachlichen Rat holst. Die Psychologin von der Du schreibst, hat zum Erreichen dieser Berufsbezeichnung ein Studium auf dem Gebiet der Psychologie absolviert und Deiner Formulierung zufolge hat sie Dir einen Hinweis auf mögliche Ursachen Deiner Stimmungslage genannt. Durch die Vermittlung zu einer Psychiaterin hat sie m.M. richtig gehandelt, da ihr z.B. zum Stellen einer Diagnose die nach dem "Psychotherapeutengesetz" erforderliche (Zusatz-).Ausbildung/Qualifikation fehlt (sehr stark vereinfacht gesagt, vielleicht mögen Dir andere Leser dieses Threads ein konkreteres Bild darstellen). Du darfst diese Aussage gerne selber nachprüfen und Dir ein eigenes Bild konstruieren. Da findest Du zum Teil gut sortiert ausführlichere Informationen.

    Vielleicht befragst Du Tante Google auch nach den "Unterschieden hinsichtlich der Berufsbilder und Tätigkeitsbereiche von Psychologen, Psychiatern und Psychologischen Psychotherapeuten", denn da besteht bei Laien (ich bin selber Laie) häufig die Ansicht, dass es sich hier um einen einheitlichen Berufszweig handelt, doch sind die Aufgaben und Zuständigkeiten etwas komplexer gestaltet.

    Die Diagnose sollte von einer Fachfrau/einem Fachmann erstellt werden, denn es gibt da sehr viele Faktoren, die mit eine Rolle spielen könnten. Das beginnt schon bei den Ursachen oder vielleicht dem Schweregrad der Depression - wenn sie denn diagnostiziert werden sollte, was ja noch rein als Vermutung zu betrachten ist. Nach dem Erstellen der Diagnose werden Dir vermutlich Behandlungs- und/oder (alternative) Handlungsmöglichkeiten genannt.

    Die Ursachen können vielfältiger Natur sein und auch in unterschiedlicher Weise und Intensität bei Männern und Frauen wirken. Ein medizinischer Check ("Konsiliarbericht") wird bei den von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlten 3 Formen der Psychotherapie (Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Psychoanalyse) vorausgesetzt, um körperliche Ursachen mit einzubeziehen oder ausschließen zu können.

    Ich wünsche Dir viel Kraft und denke, die besitzt Du! :)

    KenTowr
     
    Zuletzt bearbeitet: 24 November 2013
  11. ApfelZimt

    ApfelZimt Neuer Benutzer

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    hey anna, ich kann deine situation sehr gut verstehen. es wäre schade wenn du kaputt gehst an all dem druck. es scheint so als hättest du schon einige schäden davon getragen. ich kann dir nur sagen, psychologische unterstützung hilft sehr viel, vor allem was das svv angeht. ich hoffe, das ist nicht zu privat aber ich wüsste gerne, wie oft bzw wo du dich selbst verletzt, nur um die situation ein wenig einschätzen zu können. ich würde dir sehr gerne helfen! allein schon über seine probleme zu reden kann oft ein wenig druck abbauen und ist kurzfristig gut. ich denke ich könnte dir ein wenig helfen da ich mich selbst in einer ähnlichen lage befinde. [Angabe persönlicher Daten entfernt]

    liebe grüße und viel kraft an dich :)
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 4 Dezember 2013
  12. KenTowr

    KenTowr Erfahrener Benutzer

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    Hallo annaa,

    darf ich fragen, wie sich das Vorhaben Deiner Psychologin, einen Termin bei einer Psychiaterin zu machen, entwickelt hat? Wie empfindest Du selbst den Gedanken an die Situation, dass Du evtl. so wie vermutet depressiv sein könntest oder etwa auch eine depressive Phase vorliegen könnte?

    Viele Grüße
    KenTowr
     
    Zuletzt bearbeitet: 4 Januar 2014
  13. Sarah Luisa

    Sarah Luisa Benutzer

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    Hallo Annaa,
    ich hab gerade gelesen, dass du dich fragst, ob du depressiv sein könntest, auch wenn es dir ab und zu gut geht. Ich weiß nicht, ob du mittlerweile schon eine Antwort von einer Psychiaterin bekommen hast, aber wenn du mich fragst: Ja, das geht. Ich bin selbst depressiv und auch ich habe Tage, an denen es mir fast gut geht und ich mich eigentlich normal fühle. Und dann kommen wieder Tage, an denen es mir so schlecht geht, dass ich am liebsten nicht mehr leben würde. Ich kann dir natürlich nicht sagen, ob du wirklich depressiv bist, dass kann selbstverständlich nur ein Psychiater, aber möglich wäre es schon, denke ich.
    Und nur für den Fall, dass du eine Depression diagnstiziert bekommst, ist das am Anfang sicherlich erstmal ein ziemlich komisches Gefühl. So war es jedenfalls für mich. Aber irgendwie kann es auch erleichternd sein. Ich kannte so endlich den Grund für meine Selbstverletzungen und meine Traurigkeit und mir kann jetzt geholfen werden (Medikamente, Therapie).
    Was auch immer dir der Psychiater sagen wird (oder vielleicht schon gesagt hat), ich bin überzeugt, dass du damit klarkommen wirst.
    LG
     
  14. annaa

    annaa Neuer Benutzer

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    Hey Sarah Luisa,
    nein, ich hab den Termin erst in zwei Wochen, aber ich habe schreckliche Angst davor! Kann es sein, dass es mir danach erstmal schlechter gehen wird, weil vielleicht viel in der Vergangenheit rumgebohrt wird?
     
  15. Achim

    Achim Sehr erfahrener Benutzer

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    Selbsthass + "Bohren in der Vergangenheit"

    Liebe annaa!

    Nach meiner Weihnachtspause habe ich jetzt wieder Gelegenheit, ein wenig im Forum zu lesen, und da ist mir Dein Thema aufgefallen. Ich habe jetzt einmal alles von Anfang an gelesen, und ein bestimmter Satz ist mir dabei aufgefallen – einerseits, weil Du ihn geschrieben hast, andererseits, weil anschließend niemand darauf reagiert hat. Ich meine den letzten Satz, mit dem Du Deinen Eintrag vom 20. November beendet hast: „Und wenn ich wirklich in mich gehe, merke ich einfach nur, wie extrem ich mich selbst hasse.“ – Wie groß müssen Deine Schmerzen sein, dass Du einen solchen Satz schreiben musst! Durch nichts war dieser Abschluss vorbereitet; wie aus dem Nichts tauchte er auf. Und dennoch hast Du Dich so gefühlt, ihn unbedingt schreiben zu müssen, einfach, weil es (D)eine Wahrheit war und ist, die endlich (?) einmal ausgesprochen sein wollte. – Könntest Du denn beschreiben, wie sich dieser Selbsthass äußert? Gibt es vielleicht bestimmte Situationen, in denen Du ihn besonders intensiv verspürst? –

    Und dann ist da noch ein anderes Thema, eines, das Du gestern angeschnitten hast und auf das ich Dir gerne einen kleinen Gedanken schreiben möchte: „[…] aber ich habe schreckliche Angst davor! Kann es sein, dass es mir danach erstmal schlechter gehen wird, weil vielleicht viel in der Vergangenheit rumgebohrt wird?“
    Ich will es einmal so versuchen: Jeden Tag sehen wir in den Nachrichten schreckliche Bilder, jeden Tag hören im Radio viel im Grunde genommen Unaussprechliches, das wir nicht verstehen können. Und doch wird es möglich sein, es zu verstehen, denn all das hat eine Geschichte, einen Weg hinter sich gebracht, bis es oft in Schmerzen explodiert und in den Nachrichten kommt. – In gewisser Weise ist es mit Deinen Schmerzen sehr ähnlich: Das, was die Augen sehen können, zum Beispiel Deine Schnitte, sind nur das Äußere; sie haben eine Geschichte in Deinem Leben, haben einen Weg zurückgelegt, der in Dir liegt; der ist das Innere, und das Innere ist es tatsächlich, diese Vergangenheit in Dir, worauf es ankommt, wenn es Dir wieder besser gehen soll.

    Weißt Du, ich verstehe Deine Befürchtung, dass da in einem Gespräch „in der Vergangenheit rumgebohrt“ werden könnte und Dir das nichts anderes als nur neue Schmerzen bereiten könnte, recht gut. Aber wie kommst Du auf diese Vermutung, dass sich Euer Gespräch in dieser Weise entwickeln könnte? Wer hat Dir das erzählt? Niemand wird „bohren“; niemand wird in Dich dringen in einer Weise, die vielleicht nur reine Neugierde zum Ausdruck bringt, aber kein Verständnis zeigt für den Weg Deines Lebens und die Geschichte Deiner Schmerzen. Sondern Du kannst davon ausgehen, dass Dir da ein Mensch gegenübersitzen wird, der Dir wohlgesonnen ist und Dich wertschätzt. Der sich für Dich interessiert und Deine Qualitäten, Begabungen und Fähigkeiten entdecken möchte. Jemand, der Dir wirklich helfen möchte, Deinen Kummer, Deine Schmerzen zu lindern, jemand, mit dessen Hilfe Du Deinen Selbsthass verstehen und auflösen können wirst. Du darfst die Erwartung hegen, dass es Dir guttun wird. Weißt Du, das Wort „Therapie“ ist griechisch und bedeutet „Heilung“. Wie kann man jemanden heilen, indem man in ihn „hineinbohrt“? Richtig: gar nicht! Überhaupt kein bisschen. Die Vergangenheit ist wichtig, das stimmt. Denn in der Vergangenheit liegen ja die Ursachen für das was Dir jetzt, in der Gegenwart, das Leben so unendlich schwer macht. Aber – und davon kannst Du wirklich ausgehen – Du wirst Deine Vergangenheit zur Sprache bringen können in einer Weise, die Du selbst wählst. In einer Art und Weise, die zum Beispiel ganz langsam sein darf. Oder in ganz kleinen Portionen. Und in jedem Falle so, dass es Dir gut tut. Denn nur, was gut tut, kann heilen. Nur was sanft ist und geduldig, wird heilsam sein können, wird wieder zusammenfügen können, was im Moment in Dir sich vielleicht anfühlt wie zersplittert und zerrissen. – Du darfst Vertrauen haben.


    Viele liebe Mutmach-Grüße!
    Achim
     
  16. Sarah Luisa

    Sarah Luisa Benutzer

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    Hey Annaa,
    ja, ich kann mir gut vorstellen, wie es dir geht. Mir ging es vor meinem ersten Termin ganz genauso. Ich kann dir leider nicht genau sagen, wie dieser Termin ablaufen wird, ich denke, das ist immer unterschiedlich. Ich kann nur sagen, wie es bei mir war. Meine Psychiaterin ist gleichzeitig meine Therapeutin, ich weiß nicht, ob das bei dir genauso ist, weil du schon von "deiner Psychologin" gesprochen hast. Und ich bin damals auch nicht wegen Verdacht auf Depression dahingekommen, sondern wegen dem Ritzen.
    Bei mir wurde beim ersten Termin zumindest sehr wenig in der Vergangenheit gewühlt. Die Ärztin wird erst einmal versuchen, dich ein wenig kennenzulernen und vor allem herauszufinden, wie es dir gerade im Moment geht. Natürlich wird es sich nicht umgehen lassen, über deine Vergangenheit zu sprechen, zumindest wenn sie wirklich deine Therapie übernimmt. Ich kann nicht sagen, wann das anfangen wird. Aber davor solltest du keine Angst haben. Es wird dich sicher aufwühlen und es ist natürlich nicht einfach, aber auf lange Sicht hilft es wirklich, glaub mir.
    Hast du auch Angst davor, mit einer fremden Person über all diese Sachen zu sprechen? So war es bei mir jedenfalls. Zuerst kam mir das richtig komisch vor, aber man gewöhnt sich daran ;) Und was ich mittlerweile gelernt habe: Die Ärztin wird dich ernst nehmen und versuchen, dich zu verstehen.
    Und wenn es irgendetwas gibt, von dem du das Gefühl hast, das du nicht darüber sprechen kannst, dann sag ihr das ruhig. Sie wird dann versuchen, dir entgegenzukommen. Zumindest ist das meine Erfahrung... Hab keine Angst und setz dich nicht unter Druck. Das wird schon alles gut laufen.
    LG
     
  17. annaa

    annaa Neuer Benutzer

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    Hey Achim,
    Ich merke einfach sehr oft, dass ich ziemlich enttäuscht von mir selbst bin, wenn ich zum Beispiel eine schlechte Klausur in der Schule zurück bekomme, oder wenn ich eine Zigarette rauche (was ich so alle zwei Wochen mal tue), aber vor allem wenn meine Mom mir sagt, dass ich eine schlechte Tochter bin. Und oft habe ich das Gefühl, dass sich niemand wirklich Gedanken machen würde, wenn ich verschwinden würde und deshalb mache ich mir auch oft Gedanken, weil ich anscheinend für niemanden genug bin. Das war jetzt nur ein Bruchteil der Situationen.
    Ich verzweifele langsam an meiner ganzen Situation, denn selbst die Freunde, mit denen ich über meine Lage geredet habe, scheinen sich überhaupt nicht dafür zu interessieren.
     
  18. Achim

    Achim Sehr erfahrener Benutzer

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    Hallo, liebe Anna!

    Na klar: Schlecht benotete Klausuren sind unangenehm. Klar: Dich vielleicht als „charakterlich schwach“ zu empfinden, weil Du zwar selten, aber ja immerhin doch m a l zur Zigarette greifst, ist verständlich. Aber ich glaube, das sind alles noch Kleinigkeiten gegenüber dieser ganz tiefen und grundsätzlichen Kritik Deiner Mutter an Dir, Du seiest eine „schlechte Tochter“. Das ist in der Tat unglaublich verletzend; da kannst Du ja als Kind, als Tochter, überhaupt nicht „an“; DAS geht ja wirklich an die Substanz, das trifft Dich ins Innerste! Wie soll es denn da möglich sein, Dich selbst zu mögen, wenn Du Dich von Deiner Mutter so sehr entwertet fühlen musst?!

    Es ist schwer, Dir jetzt so von außen etwas zu sagen, außer dass Du ganz sicher keine schlechte Tochter bist. Und nun kann ich auch Deine Freunde verstehen, dass es ihnen schwerfällt, etwas dazu zu sagen. Weißt Du, vielleicht gibt es tatsächlich den einen oder anderen unter ihnen, den es nicht interessiert. Ich kann mit aber genauso gut vorstellen, dass es sie schlichtweg überfordert. Denn es gibt nichts Offensichtliches, was Du selbst tun könntest, um die Situation zu verbessern. Weißt Du, Anna, diese Äußerung, dass Du eine schlechte Tochter seiest – so oft sie auch wiederholt wird – sagt eigentlich nichts über Dich aus, sondern vielmehr etwas über Deine Mutter und wohl über *ihre* Beziehung zu *ihrer* Mutter, darüber also, wie sie *ihre* Mutter damals erlebt hat, als sie selbst noch ein Mädchen war und Du noch gar nicht auf der Welt warst…

    Ich hab das zwar eben gesagt, aber eigentlich bist Du, denke ich, dennoch nicht völlig hilflos. Einen ersten Schritt hast Du ja schon gemacht, indem Du Dich hier ans Forum gewandt hast, um Dir jemanden zum Reden zu suchen. Das andere ist: Wenn Deine Freunde – aus welchen Gründen vielleicht auch immer – nicht die Richtigen zum Reden sind, dann kannst Du Dich ja jederzeit auch an jemanden von den Lehrer oder den Lehrerinnen wenden. Es gibt sicherlich einen Vertrauenslehrer in der Schule, oder? Oder eine Sozialpädagogin? – Jedenfalls kannst Du mal überlegen, ob es irgendwo unter den Erwachsenen jemanden gibt, den Du mal so ein wenig „einweihen“ möchtest in das, was Dich so bedrückt.
    Und zum Zweiten könntest Du natürlich auch versuchen, mal mit Deiner Mutter direkt zu reden. Könntest sie mal fragen: „Mama, wie war deine Mutter eigentlich so als Mutter? Bist Du mit ihr in all den Jahren gut klargekommen, bevor Du dann von zuhause ausgezogen bist?“ (Das ist jetzt nur mal eine spontane Idee; dir fallen bestimmt noch andere Möglichkeiten ein!) – Könntest Du Dir das vorstellen?

    So weit einmal?
    Viele liebe Mutmach-Grüße!
    Achim
     
  19. annaa

    annaa Neuer Benutzer

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    Hey habe jetzt nochmal eine ganz dringende Frage! Ich war heute bei der Ärztin (die ehrlich gesagt ziemlich unfreundlich schien) und die hat mir ohne mit der Wimper zu zucken Venlafaxin verschrieben. Ich soll das Zeug ab morgen nehmen, aber ich hab mir jetzt im Internet einiges dazu durchgelesen und viele Benutzer meinen, dass es wirklich gut wirkt und ihnen auch hilft, aber dass sie, wenn sie es auch nur einen Tag nicht nehmen, totale Entzugserscheinungen oder sowas haben.
    Ich will jetzt auch nicht anfangen irgendwas zu nehmen, wodurch es mir zwar besser geht, von dem ich aber gleich abhängig werde! Ich weiß echt nicht, was ich tun soll!
     
  20. Achim

    Achim Sehr erfahrener Benutzer

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    Hallo, liebe Anna!

    Natürlich ist Deine Skepsis gegenüber einem Medikament zu verstehen. Aber gerade hier in so einem Forum im Internet wird Deine Frage danach, was Du nun tun sollst, ganz sicher nicht gut beantwortet werden können. Sie ist die Ärztin, sie kennt Dich, kennt Dich persönlich, Deine Geschichte, Deine Belastungen und vieles andere eben aus der Perspektive ihrer Kenntnis und ihres Wissens heraus. Wir hier sind alle keine Ärzte und können das alles gar nicht richtig einschätzen und Dir deshalb auch keinen Ratschlag geben.

    Dennoch bist Du nicht hilflos. Denn was Du auf jeden Fall tun kannst, ist, morgen wenigstens dort noch einmal anzurufen in der Praxis und von Deinen Bedenken und von Deiner Angst zu erzählen. Mit uns kannst Du das nicht regeln, aber eben mit Deiner Ärztin. Du hast da einfach noch Fragen, und ich bin sicher, dass sie sie Dir auch alle beantworten wird. In Ordnung?

    Viele liebe Grüße! Achim