Habe leider keinen Titel und weiß auch nicht, ob ich hier hingehöre

Dieses Thema im Forum "Andere/r Kummer, Sorgen, Probleme" wurde erstellt von Pusteblume2507, 22 Juni 2017.

  1. Pusteblume2507

    Pusteblume2507 Neuer Benutzer

    Registriert seit:
    22 Juni 2017
    Beiträge:
    2
    Hallo alle zusammen,

    ich habe mich heute hier angemeldet. Ich bin 20 Jahre alt (habe leider einen Fehler in meinem Profil gemacht, dort steht, dass ich 15 bin, weiß jemand wie ich das ändern kann?) und ich habe mir erst die Jugendlichen-Ecke hier angeguckt, aber ich weiß nicht, ob ich da richtig bin..
    Ähm... Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll.
    Ich habe schon 2 Therapien gemacht. Als ich ganz klein war, weil meine Mutter vermutet hat, dass ich von meinem Opa angefasst wurde (ich erinnere mich an nichts und da kam auch nichts raus) und nach der Trennung meiner Eltern auch nochmal. Ich bin jetzt seit 2 Jahren mit der Therapie durch und war auch super stolz auf mich, dass ich es sozusagen alleine schaffe, auch wenn eine Therapie ja nichts Schlechtes ist, aber bestimmt versteht hier jemand was ich meine. In der Therapie habe ich ziemlich viel die Beziehung zu meiner Mutter aufgearbeitet, zu der ich ein schwieriges Verhältnis hatte. Sie ist sehr jung ungewollt Mutter geworden und hat mich gerne an meine Oma abgegeben. Nähe war nichts für sie und wenn ich mal geweint habe fiel es ihr schwer mich in den Arm zu nehmen. Das hat mich belastet und als mein kleiner Bruder dann 10 Jahre nach mir auf die Welt kam und sie ihn gar nicht genug knuddeln konnte, tat das natürlich doppelt weh. Dank der Therapie verstehe ich mich mit meiner Mutter sehr viel besser und habe zwischendurch zwar immer noch Probleme mit der fehlenden Nähe, aber ich bin wirklich froh sie zu haben und will mich gar nicht beschweren. Das Problem ist der Mann von dem sie sich vor 4 Jahren getrennt hat. Ich glaube es sind mittlerweile sogar 5. Er war nicht mein leiblicher Vater. Sie hat ihn kennen gelernt als ich 3 Jahre alt war und ich glaube von dem ganzen Kram, den ich bisher erlebt habe, war alles das was ich mit ihm erlebt habe am schlimmsten und mir ist vor Kurzem aufgefallen, dass ich nie über ihn geredet habe. In der Therapie nicht und auch so nicht. Und eigentlich habe ich ein tolles Leben und dürfte mich nicht beschweren, aber ich komme regelmäßig in diese Phasen in denen ich unglaublich traurig bin und mich in mein Bett verkriechen möchte und mit niemandem reden will und darüber nachdenke meine Haut aufzukratzen (das war immer meine Art von Ritzen) und ich bin immer stark genug mich zurück zuhalten, aber auch nur, weil ich nicht möchte, dass meine Mutter es sieht und sich Sorgen macht... Und ich bin ein sehr emotionaler Mensch, der auch gerne in Selbstmitleid badet, aber ich weiß nicht, ob diese Phasen vielleicht daher rühren, dass ich nie über meinen Stiefvater geredet habe und ob ich das tun sollte. Ich träume zwischendurch von ihm. Wir haben keinen Kontakt mehr.

    Danke schon mal im Voraus

    Pusteblume2507
     
  2. Achim

    Achim Sehr erfahrener Benutzer

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    Bonn
    Liebe Pusteblume!

    Es schwer, einen Platz im Leben zu finden, wenn gleich schon der Beginn schwer und kompliziert ist. Und das ist ja genau das, was Du erlebt hat: dass Deine Mutter eigentlich überfordert war mit diesem kleinen Menschenkind, für das sie da so früh und so plötzlich verantwortlich sein sollte. Es ist sicherlich ein langer Weg gewesen in der Therapie, bis Du in Deinem Verhältnis zu ihr an dem Punkt angekommen bist, an dem Du heute – an dem Ihr heute miteinander – steh(s)t. Und Du hast wirklich, wirklich allen Grund, auf Deine Leistung in der Therapie stolz zu sein!

    Da mag es sich jetzt so anfühlen, dass, kaum dass dieses eine große Thema gut abgearbeitet ist und in dieser Hinsicht ein wenig wohltuende Ruhe eingekehrt ist, jetzt sozusagen das nächste »um die Ecke kommt«: Dein Stiefvater. Und dieses Gefühl stelle ich mir als sehr anstrengend vor: »Wieder so ein Berg!« Aber vielleicht hat es ja seinen guten Grund, dass er in Deiner ersten Therapie noch nicht das Thema war. Jetzt aber – das ist ja das, was Du beschrieben hast – lässt es sich nicht mehr abweisen. Zurzeit kommt es so deutlich aus dem Verborgenen, aus dem »Schatten« hervor, dass es Dich bis in Deine Träume begleitet, wie Du sagst. Und auch wenn Du keinen Kontakt mehr zu ihm hast, zeigt das ja mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit, wie viel Wucht noch immer in den Erlebnissen steckt, die Du mit ihm gehabt hast.

    Wenn ich mir Deinen Eintrag so ein wenig verdeutliche, dann komme ich durchaus zu dem Schluss, dass Du darüber reden solltest – um auf Deine Frage etwas zu antworten. Denn vermutlich bildet nur das Reden das nötige Ventil für all das, was in Dir angestaut ist und sich jetzt so stark in Dein Bewusstsein drängt, dass Du es nicht mehr ignorieren kannst. Und es sind ja nicht nur die Träume, die belastend dieses ganze Thema für Dich ist, sondern es kommen ja noch dieses regelmäßig auftauchende Bedürfnis hinzu, jeden Kontakt mit anderen zu vermeiden und Dich tief unter die Bettdecke zu verkriechen, und dieser Drang, Dich zu kratzen. (Dass Du letztlich immer in der Lage bist, diesen Drang zu beherrschen, zeigt ja sehr schön, wie viel Kraft Du eigentlich hast – und zu der kann man Dich nur beglückwünschen!)

    Wenn Du Dir nun einmal den Gedanken an Dich heranlässt, über die Erlebnisse mit Deinem Stiefvater zu sprechen – welche Gedanken gehen Dir dann so durch Kopf und Herz? Vielleicht hast Du ja schon mal abzuwägen versucht, was dafür und was dagegen spricht. – Wenn Du möchtest, dann schreib einfach wieder.


    Viele liebe Mutmach-Grüße!
    Achim