Meine Vergangenheit holt mich ein

Dieses Thema im Forum "Beziehung, Partnerschaft" wurde erstellt von Nami, 12 November 2017.

  1. Nami

    Nami Benutzer

    Registriert seit:
    12 November 2017
    Beiträge:
    18
    Mein Problem hat eine lange Vorgeschichte.

    Vor 2 Jahren kam ich mit meinem Ex zusammen und ich hatte noch nie zuvor einen Menschen so sehr geliebt wie ihn. Er war mein erster Freund und ich seine erste Freundin und so erlebten wir alle möglichen ersten male zusammen. Wir waren eine Zeit lang sehr Glücklich und wir waren der Meinung nichts könnte das jemals ändern.
    Ganz am Anfang unserer Beziehung, stritt ich mich sehr mit meiner Mutter, weswegen ich dann von Zuhause ausziehen musste und so zog ich bei ihm und seiner Mutter ein. Ich hatte zwar mein eigenes Zimmer, doch eigentlich gab es keine richtige Grenze zwischen sein und mein.
    Die ersten Monate waren wir wie gesagt sehr glücklich, doch nach ca. einem halben Jahr fingen wir an zu Streiten und diese wurden immer heftiger. Zuerst schrie man sich nur an und verletzte einander mit Worten. Später flogen Dinge durch die Gegend und aus dem Fenster und das ein oder andere mal passierte es, dass er sich die Faust blutig schlug. Ich machte dann oft mit ihm Schluss, nur damit wir uns ein paar Tage später doch jedes mal wieder vertrugen um dann einige Wochen wieder glücklich miteinander zu sein.
    Nach einem mal Schluss machen, hatte er dann aber direkt am nächsten Tag schon eine neue Freundin und dies riss mir den Boden unter den Füßen weg. Ich hätte NIE gedacht dass Liebeskummer so zerstörend sein kann, doch ich litt wie nie zuvor.
    Mir wurde klar wie groß das Ausmaß meiner Liebe zu ihm war und ich bat ihn um ein Gespräch, weil ich ihn zurück wollte und zu meinem Glück verzieh er mir. Ich hätte Glücklich sein sollen, aber wegen dem anderen Mädchen war mein Vertrauen in seine Liebe erschüttert.
    Es hätte alles besser werden sollen, aber alles fing wieder von vorne an. Wir waren Glücklich, dann unglücklich, dann getrennt, dann wieder Glücklich und so weiter.
    Ende 2016 zog ich dann wieder bei meiner Mutter und ich hoffte auf eine normale Beziehung, denn die ständige Nähe hatte immer nur zu Eskalation geführt. Doch durch die nun entstandene Entfehrung, entfehrnten auch wir uns immer weiter von einander.
    Dann kam noch dazu, dass ich meinem besten Freund in der Zeit immer näher kam und dies verwirrte mich umso mehr. Vor allem, da mein Ex schon immer eifersüchtig auf Ihn war. Ich beteuerte zwar immer dass da nix lief, was auch der Wahrheit entsprach, aber so ganz geglaubt hatte er mir nie.
    Anfang dieses Jahres kam ich dann zu dem Entschluss es wäre besser wir würden uns trennen und Freunde bleiben und so traf ich mich mit ihm um entgültig Schluss zu machen, diesmal ohne Sreit. Er war sehr verletzt und tottraurig, doch am Ende ließ er mich gehen. Ich wollte nun herrausfinden, was das mit mir und meinem bf war, doch nach wenigen Tagen fehlte mir mein Ex und ich stellte fest, dass ich ihn trotz allem immer noch unglaublich liebte.
    Er verzieh mir auch das und ich schlug vor, von vorne anzufangen, als Freunde und alles langsam anzugehen.
    Die Schwierigkeit bestand jedoch darin, dass meine Freunde ihn gerade zu hassten und seine Mutter konnte mich auch nicht mehr besonders gut leiden. Damals war das für mich ein riesiges Problem, weswegen unsere Treffen nur noch heimlich und draußen stattfanden. Ich hatte das Gefühl ich müsste zwischen meinen Freunden und ihm wählen und um das zu umgehen hielt ich es vor allen geheim. Das dies mehr als nur dumm war, weiß ich mitlerweile.
    Dies ging über einige Monate so und konnte natürlich nicht gut enden.
    Ich wollte mal mit ihm über meine Gefühle reden, dass ich mich alleine fühle, weil ich all meine Freunde anlüge und ich das nicht mehr weiter machen kann. Da dachte er jedoch direkt ich will mich wieder trennen und drohte mir mit seinem Selbstmord, da er ohne mich nicht leben könne.
    Die Situation wurde immer schlimmer und es passierte öfter, dass er nach einem Streit Nachts einfach vor meiner Haustür stand und nicht eher wieder ging bis wir wieder auf heile Welt machen konnten. All das belastete mich sehr. Ich niemandem zum reden und die Hoffnung, dass sich alles wieder beruhigen würde, starb mit jedem Tag mehr.
    Ich versuchte meine Freunde immer wieder davon zu überzeugen, dass mein Ex kein schlechter Mensch war, doch sie hielten an ihrer Meinung fest.
    Dann einen Tag konnte ich einfach nicht mehr, ich schrieb ihm ich könne nicht mehr und dass es vorbei sei. Ich blockierte ihn überall und blockte jeden Kontaktversuch ab. Ich gab ihm nichtmals mehr die Chance sich dazu zu äußern.
    Das dies mehr als nur feige war, weiß ich selber. Ich habe ihm unendlich weh getan und er hat jeden Grund mich zu hassen. Ich war ihm eine fürchterliche Freundin und das obwohl ich ihn mehr als alles liebte. Ich wollte ihm nie so wehtun und dennoch habe ich es wieder und wieder getan. Ihr dürft mich dafür verurteilen, denn ich tue es selber jeden Tag.
    Natürlich machte auch er Fehler, er war sehr impulsiv und konnte im Streit schnell aggressiv werden doch ich bin diejenige die die Beziehung zerstört hat.

    Dies ist nun alles ein halbes Jahr her und nun zu meinem Zwist.

    Seit etwa 3 Wochen bin ich nun mit meinem bf zusammen, welcher ja auch schon in der Vorgeschichte Erwähnung gefunden hat. Bevor wir zusammen gekommen sind wollte ich diese Beziehung und hatte mich darauf gefreut, doch nun wo wir zusammen sind fühlt sich alles so schrecklich falsch an.
    Ich fühle mich als würde ich meinen Ex betrügen und denke jedes mal wenn mein bf neben mir liegt: Das ist der falsche Körper an den du dich da kuschelst. Hier gehört jemand anderes neben dich.
    Ich fühle mich einfach furchtbar, denn er hatte sich so lange eine Beziehung mit mir gewünscht und ich fange einfach an meinem Ex wieder hinterher zu trauern. Ich kann seine Nähe nicht richtig zulassen, was auch der Grund ist warum wir noch keinen Sex hatten, obwohl er mich immer wieder dazu drängt.
    Ich vermisse meinen Ex so sehr und ich wünschte ich wäre damals nicht so feige gewesen, hätte diese Fehler nicht begangen. Jedesmal wenn ich ihn sehe versetzt es mir einen Stich und wenn ich ihn mit einem anderen
    Mädchen sehe wird mir schlecht. Mir fehlt mein Appetit und wenn ich alleine bin weine ich um die schöne verlorene Zeit.
    Ich weiß dass er nicht gut auf mich zu sprechen ist, vllt hasst er mich auch. Gründe dazu hätte er genug. Doch ich wünsche mir so sehr wieder Kontakt zu ihm zu haben. Ich möchte mich für alles was ich getan habe entschuldigen. Wahrscheinlich ist er längst über mich hinweg, was ich ihm eigentlich nur wünschen kann, denn Liebeskummer ist mehr als nur scheiße. Ich bin es anscheinend jedoch nicht.
    So und ich bin ja jz mit meinem bf zusammen und all unsere Freunde sind da unendlich froh drüber, doch es fühlt sich mitlerweile für mich so falsch an.
    Ich weiß einfach nicht was ich tun soll.
    Ich liebe meinen Ex und ich liebe ihn. Doch ich habe das Gefühl, dass es nicht reicht. Sonst müsste ich doch jz glücklich sein.
    Aber ich tue ihm unglaublich weh wenn ich jz schluss mache und vllt irre ich mich ja auch und das mit meinem Ex ist nur eine kurze Phase und geht vorrüber.
    Zudem würde es wahrscheinlich unseren Freundeskreis zersprengen und es wären eine Menge Leute, einschließlich meiner besten Freundin, sehr wütend auf mich, wenn ich ihm weh tue.
    Ich versuche mir immer zu sagen, was zusammen gehört, wird auch immer wieder zusammen finden. Jedoch habe ich unglaubliche Angst alles zu verlieren, wenn ich jz nicht handle.

    Danke an diejenigen, die meinen Text komplett gelesen haben.
    Vllt könnt ihr mir ja helfen, denn ich fühle mich schrecklich verloren in meinem Gefühlschaos. Danke :oops:
     
  2. Achim

    Achim Sehr erfahrener Benutzer

    Registriert seit:
    17 Mai 2007
    Beiträge:
    1,248
    Ort:
    Bonn
    Liebe Nami!

    »… denn ich fühle mich schrecklich verloren in meinem Gefühlschaos«: Ja. Das glaube ich Dir sofort. Denn was Du da beschrieben hast, das ist ja die reinste Achterbahn, Schleudertrauma garantiert! Dieses Hin und Her mit Deinem Ex-Freund allein hätte ja allein schon genügt, Dich vergessen zu lassen, wo eigentlich Oben und Unten sind. Und nun kommt zu allem Überfluss auch noch die Beziehung mit Deinem besten Freund dazu. Da wundert es mich, ehrlich gesagt, nicht im Geringsten, dass Du nicht mehr weißt, wo Dir der Kopf steht!

    Wenn ich Arzt wäre, dann würde ich der Patientin jetzt »Ruhe, Ruhe, Ruhe« verschreiben. ;-) Denn solange Du in einer Beziehung bist, kommen ja immer wieder neue Ereignisse, auf die Du reagieren musst, immer wieder neue Impulse, die Du zu verarbeiten hast. Aber dann kommst Du, das ist mein Eindruck, vor lauter RE-Aktion niemals zur Aktion, also niemals vom fremdbestimmten Handeln zu Deinem eigenen Handeln.

    Aber wenn das so einfach wäre, Dich von allen, von Deinem besten Freund genauso zu (zunächst vielleicht) von Deinem Ex-Freund und auch von Deinem allgemeinen Freundeskreis einfach zurückzuziehen, um zur Ruhe und zu Dir selbst zu finden, wenn das wirklich so einfach wäre, dann – hättest Du es ja längst gemacht, nicht wahr? Und ich verstehe sofort Deine Befürchtung, dass Deine Freunde dieses permanente innere Auf und Ab in Dir nicht gut nachvollziehen können und Du so – oder einige von ihnen – verlieren könntest, weil sie sich von Dir lossagen könnten. Einerseits. Andererseits: Du spürst, glaube ich, selbst, dass es eigentlich so wie bislang nicht weitergehen kann. Das kostet Dich nämlich viel zu viel Kraft. Und wenn Du noch Reserven hättest, dann hättest Du ja auch hier im Forum nicht geschrieben.

    Ich habe jetzt keine Patentlösung für Dich. Dafür ist Deine Situation auch zu schwierig, zu verzwickt und verwickelt. Aber vielleicht löst sich der Knoten ja, wenn Du eine Zielvorstellung entwickelst und dann, nach und nach. auch der Weg dahin klar wird. Oder eher umgekehrt? Das wäre das, was Du am Schluss geschrieben hast: »Jedoch habe ich unglaubliche Angst, alles zu verlieren, wenn ich jetzt nicht handle«? Handeln, jetzt, sofort – aber genau hieße das denn, »Handeln«? Was würdest Du tun wollen? Und mit welchem Ziel?

    Je länger ich darüber nachdenke, desto besser will es mir scheinen, erst ein Ziel zu suchen, also den Zustand, den Du am Ende haben möchtest. Und dann zu überlegen, wie Du vielleicht handeln kannst, um dahin zu kommen? Oder? Was denkst Du selbst? Du hast Dich bestimmt schon Gedanken darüber gemacht, oder? Wir sagen doch immer »Erst denken, dann handeln«, oder? Aber ich glaube, in der Praxis, da kann das manchmal ganz schön schwer sein. Zum Beispiel in so einer Situation, wie Du sie gerade durchmachst und in der man gefühlt dermaßen unter einem moralischen Druck steht ‒ was immer das eigentlich genau heißen mag… ‒

    Wenn Du möchtest, dann schreib einfach wieder.
    Jetzt erstmal ganz viele Mutmach-Grüße!
    Achim
     
  3. Nami

    Nami Benutzer

    Registriert seit:
    12 November 2017
    Beiträge:
    18
    Lieber Achim,
    Erstmal danke für deine Antwort.
    Ich habe in der Tat die letzte Woche viel über meine Situation nachgedacht, ein genaues Ziel wo ich hin möchte hat sich da allerdings leider nicht ergeben. Mir wurde nur eins klar, die Beziehung zu ihm hätte nicht funktionieren können. Ja ich habe ihn geliebt, aber nur auf Freundschaflicher Ebene, bzw ich tue es immer noch.

    Auf jeden Fall habe ich dann diesen Freitag mit ihm das Gespräch gesucht, ihm versucht meine Gefühle für ihn zu erklären, zu erklären in welcher Situation ich mich gerade befinde und habe ihm gesagt, dass ich nicht denke dass wir eine gemeinsame Zukunft haben. Das Detail mit meinem Ex habe ich jedoch weggelassen, denn dass hätte ihn nur unnötig verletzt.

    Das mit meinem Ex hat sich sowieso erledigt. Ich habe mich zwar entschieden, den Kontakt wieder zu suchen. Allerdings hat das Zeit.

    Bf ist nun natürlich super verletzt und ich habe ihm auch gesagt, dass ich es verstehe, wenn er erst einmal keinen Kontakt haben möchte. Nur mit seiner Reaktion hatte ich nicht gerechnet, denn er meinte, dass er nicht denkt, dass wir nochmal Kontakt haben werden.
    Diese Antwort hat mich sehr hart getroffen, denn er war mein aller bester Freund. Sein Verlust tut mir unendlich weh und er unterstellt mir, dass ich es nicht ernst mit ihm gemeint hätte. Das verletzt mich umso mehr, denn ich habe ihn noch nie angelogen und hab ihm immer Rede und Antwort gestanden. Und ich meinte es wirklich ernst mit ihm, ich wusste nur nicht dass ich noch nicht wieder für einen neue Beziehung bereit bin.

    Unser gemeinsamer Freundeskreis steht, bis auf eine Ausnahme, hinter meinem Bf (auch wenn ich ihn wahrscheinlich nicht mehr so nennen sollte). Auch meine beste Freundin scheint sich relativ wenig dafür zu interessieren, wie es mir mit der Situation geht, sie meinte sogar ich würde so langsam anfangen zu nerven. Aber für ihn ist sie da, für mich allerdings nicht.
    Mein eigener Freundeskreis steht natürlich hinter mir, aber die Unterstützung die ich gerade bräuchte fehlt mir trotzdem. Ich versuche mich so gut wie es geht abzulenken, doch dass er nicht mehr da ist spüre ich an allen Ecken und Enden.
    Der Gedanke, dass es nie wieder so sein wird bringt mich fast um und ich würde am liebsten den ganzen Tag nur im Bett sitzen um mich selbst zu bemitleiden. Ich bin so unglaublich müde von allem. Von all den Diskussion, von all den Schuldzuweisungen, von all dem Stress. Am liebsten würde ich einfach ganz weit wegfahren, ohne das jemand weiß wohin. Einfach raus, einfach weg von allem.
    Mein Handy liegt mitlerweile schon ausgeschaltet und weggeschlossen in einer Schublade.

    Ich bin es leid immer auf andere Rücksicht nehmen zu müssen und für andere Verständniss haben zu müssen. Immer sag ich mir "Sie sind halt so, das ist ihre Persönlichkeit, sie können da nichts für", aber meistens gebe ich dann nach, ziehe mich zurück, bleib mit meinen Gefühlen aber alleine auf der Strecke liegen. Ich kann dann alleine zusehen wie ich damit fertig werde, aber wenn sie dann mal was haben, dann wehe ich stehe nicht bereit oder nicht auf ihrer Seite, dann bin ich direkt wieder die schlechte Freundin.

    Ich weiß einfach nicht wo mir der Kopfsteht, was ich tun soll und wie es in Zukunft weiter gehen kann.
    Ich habe sogar überlegt den Kontakt zu unserem Freundeskreis komplett abzubrechen, denn ich habe jz schon das Gefühl ich gehöre nicht mehr dazu.

    Das ist auf jeden Fall der neuste Stand der Lage.
     
  4. Achim

    Achim Sehr erfahrener Benutzer

    Registriert seit:
    17 Mai 2007
    Beiträge:
    1,248
    Ort:
    Bonn
    Liebe Nami!

    In der Woche, an deren Ende Du dann geantwortet hast, ist, tatsächlich, wohl offenbar unglaublich viel passiert, innerlich, in Dir drin. Äußerlich war es ja »nur« das Gespräch mit Deinem besten Freund – das dann jene so ganz unerwartete Wendung genommen hat, die Dich nun so sehr verletzt (hat): der Kontaktabbruch seinerseits. Inzwischen ist wieder eine Woche vergangen, und es kann natürlich niemand ahnen, was sich vielleicht seither wieder ereignet hat. Jedenfalls kann ich gut verstehen, dass das allein bisher schon Geschehene, Dich gleichermaßen verwirrt wie verletzt. Denn er ist Dir ja als Freund, nach all den Jahren, die Eich nun schon miteinander verbinden, viel zu wichtig, als dass Du das wirklich wollen könntest, den Kontakt zu ihm abzubrechen. Verletzungen auf beiden Seiten, und es ist vielleicht noch überhaupt nicht klar, wie das sich wieder wandeln könnte und wie es möglich werden sollte, dass es wieder heil werden könnte. In Deiner Antwort ist nicht zu erkennen, dass das Dein Thema wäre, trotzdem halte ich es für wichtig, an dieser Stelle einmal zu sagen, dass Du nichts falsch gemacht hast, als Du ehrlich warst und dass Dich daher auch keine »Schuld« trifft. Du bist immer ehrlich und aufrichtig mit ihm umgegangen, sagst Du, und ich verstehe sofort, dass und wie sehr sein Verlust Dich trifft. Und die richtige Erklärung für die Entwicklung der Dinge von Deiner Seite aus ist ja diese: »…, ich wusste nur nicht, dass ich noch nicht wieder für eine neue Beziehung bereit bin.« Und daraus kann Dir keiner einen Strick drehen. Dennoch vermute ich, dass diese Erfahrung nicht ohne Folgen für Dich bleiben wird, also für Deine eigene Entwicklung. Du wirst das nicht vergessen, vermute ich einmal. Oder? Was meinst Du? –

    Von außen kann man vielleicht nur eher ahnen als wirklich wissen, wie sehr Dir das alles seelisch zusetzt. Aber an dreien Deiner Sätze, die Du gegen Ende hin geschrieben hast, kann ich es ja dennoch einigermaßen deutlich absehen: »Ich bin so unglaublich müde von allem.« Dann: »Ich bin es leid, immer auf andere Rücksicht nehmen zu müssen und für andere Verständnis haben zu müssen.« Und dann schließlich noch: »Ich weiß einfach nicht, wo mir der Kopf steht, was ich tun soll und wie es in Zukunft weitergehen kann.« ‒ Und in der Tat: Ihnen allen ist ja gemeinsam, dass sie deutlich machen, dass Du innerlich müde und erschöpft bist, keine neuen Impulse und Aufregungen mehr verkraften und verarbeiten kannst. Und ein paar Tage ohne Handy zu leben, mal nicht erreichbar zu sein, das ist sicherlich nicht die schlechteste aller Maßnahmen.

    Ich kann verstehen, dass Du das Gefühl hast, dass das alles nahezu über Dich hinweggerollt und sich irgendwie Deinem Einfluss, Deiner Kontrolle entzogen hat. Ganz spontan denke ich: Du musst auch gar nicht wissen, was Du tun sollst. In welcher Hinsicht denn überhaupt; in Bezug auf wen? Und in welcher Reihenfolge? Es ist ja wie in Sturm in Dir. Ich denke: Du musst eigentlich gar nichts tun. Ich kann in Deinem Posting eigentlich keinen Punkt erkennen, der einen akuten Handlungszwang in sich birgt. Und das gilt auch für Deine Überlegung zum Kontaktabbruch mit Eurem kompletten Freundeskreis. Ist nicht nötig. Es reicht nach meiner momentanen Einschätzung aus, jetzt sofort… erst mal nichts zu tun… Nur Ruhe, Ruhe, Ruhe. Was ich Dir jedoch umso dringlicher wünsche, wäre, dass Du Möglichkeiten findest, Dich tatsächlich runterzufahren, diese Ruhe genießen und friedliche Stille vielleicht wieder neu entdecken kannst. Natürlich kann ich mich täuschen. Aber ich müsste mich schon sehr täuschen, wenn Ruhe, Abstand, Stille nichts wären, das Dir momentan gut täte. Und Dein ausgeschaltetes Handy spricht ja selbst schon eine deutliche Sprache. Eine gute Sprache.

    Wenn Du möchtest, dann schreib einfach wieder.
    Jetzt erstmal viele liebe Mutmach-Grüße!
    Achim
     
  5. Nami

    Nami Benutzer

    Registriert seit:
    12 November 2017
    Beiträge:
    18
    Lieber Achim,

    In dieser Woche hat sich mal wieder viel getan.
    Mein Handy weg zu schließen, war in der Tat eine der besten Ideen die ich jemals hatte. Es war zwar nur für ein paar Tage, aber es hat mir wirklich geholfen runter zu kommen und ich konnte endlich mal wieder durchatmen und einen klaren Gedanken fassen. Der Sturm hat sich sozusagen gelegt.
    In dieser Zeit hatte ich dann eine Eingebung, nämlich, dass ich die Sache so wie sie war nicht stehen lassen konnte. Mir wurde eine Menge über mich klar und ich konnte meine Gedanken endlich mal sortieren.

    Es lag weder an meinem Ex-Freund noch an mangelnden Gefühlen, dass diese Beziehung für mich nicht funktioniert hatte. Ich hatte einfach nur Angst, Angst Gefühle zu zulassen und Angst davor, dass es wieder so enden könnte wie mit meinem Ex-Freund.

    Und du hast recht, aus dieser Erfahrung habe ich vorallem eines gelernt, nämlich dass ich meinem Glück nicht selber im Weg stehen muss.
    Ich habe mit ihm geredet und wir haben darüber geredet, wie es weiter gehen kann. Ich habe ihm erklärt wie es mir ging, was in mir vorging und welche Ängste ich habe. Er konnte mich verstehen und wir haben uns vertragen und sind nun wieder ein Paar. Und ich muss sagen, ich bin so glücklich wie schon lange nicht mehr. Ich bin zwar immer noch nicht bereit dazu, ihm meine Gefühle zu gestehen, aber er versteht es, versteht, dass ich Zeit brauche.

    Ich bin zwar immernoch erschöpft, aber bei ihm habe ich nun einen Ort gefunden, wo ich mich einfach mal einen Moment ausruhen kann. Ich wünschte es wäre von Anfang an so gewesen, dann hätten wir uns den ganzen Stress sparen können, aber vllt brauchte ich auch genau das um mir über meine Gefühle im klaren zu werden.

    Und du hast auch damit recht, dass ich momentan nicht handeln muss. Ich lasse jetzt einfach alles auf mich zukommen und dann gucke ich was passiert. Und auch das mit der Ruhe, die werde ich mir ab sofort öfter gönnen und auch da hat er, Gott sei Dank, Verständniss für.

    Ich blicke nun auf jeden Fall voller guter Dinge nach vorne und vielen lieben Dank für deine Hilfe. :)
     
  6. Achim

    Achim Sehr erfahrener Benutzer

    Registriert seit:
    17 Mai 2007
    Beiträge:
    1,248
    Ort:
    Bonn
    Liebe Nami!

    Jetzt ist ja schon wieder ganz schön viel Zeit seit Deinem letzten Eintrag vergangen, aber es war ja offensichtlich auch nicht mehr gar so dringend, oder? ;) Ich freue mich sehr für Dich, dass die Entwicklung der Dinge eine so schöne Wendung für Dich genommen hat!

    Du hast jetzt einen Ort der Ruhe gefunden, sagst Du. Es war eine etwas schwierige, jedenfalls aber turbulente Suche. Und diese neu gewonnene Selbstklarheit, die muss sich gut anfühlen, oder? Auch ich glaube, Deinem kleinen Brief entnehmen zu können, dass sich in Dir etwas zum Guten entwickelt und gekräftigt hat, etwas, das ein großer Gewinn für Dich ist. Das ist etwas sehr, sehr Schönes, und ich wünsche Dir, dass das weiterhin in Dir werde wachsen können! Und vor allem auch, dass es sich lohnt, auf Dein Inneres zu hören, wenn es Dir irgendwie signalisiert, dass es Ruhe, Abstand braucht und es eine neue Klarheit und damit nicht selten auch eine neue Freiheit zu gewinnen gibt, wenn Du diesem Bedürfnis nachgibst. –

    So weit, so gut. Ich wollte mich nur noch einmal abschließend gemeldet haben. Sollten sich die Dinge aber wieder verschieben, verändern, dann kannst Du Dich hier jederzeit wieder melden und schreiben. Gut?

    Viele gute Wünsche für Deinen Weg!
    Achim
     
    Zuletzt bearbeitet: 13 Dezember 2017
  7. Nami

    Nami Benutzer

    Registriert seit:
    12 November 2017
    Beiträge:
    18
    Lieber Achim :)

    Vielen lieben Dank für deine Worte und dein Angebot wieder zu schreiben wenn etwas passiert. Ich hoffe ich werde nicht darauf zurückgreifen müssen. ;)

    Dir auch alles Gute und noch einmal vielen Dank für deine Hilfe.
     
  8. SandraKkk

    SandraKkk Benutzer

    Registriert seit:
    18 April 2015
    Beiträge:
    17
    Ich habe jetzt keine Patentlösung für Dich. Dafür ist Deine Situation auch zu schwierig, zu verzwickt und verwickelt. Aber vielleicht löst sich der Knoten ja, wenn Du eine Zielvorstellung entwickelst und dann, nach und nach. auch der Weg dahin klar wird. Oder eher umgekehrt? Das wäre das, was Du am Schluss geschrieben hast: »Jedoch habe ich unglaubliche Angst, alles zu verlieren, wenn ich jetzt nicht handle«? Handeln, jetzt, sofort – aber genau hieße das denn, »Handeln«? Was würdest Du tun wollen? Und mit welchem Ziel?