Wann ist zu viel zu viel?

Dieses Thema im Forum "Arbeitswelt" wurde erstellt von Fuel_for_Thought, 13 Dezember 2017.

  1. Fuel_for_Thought

    Fuel_for_Thought Neuer Benutzer

    Registriert seit:
    12 Dezember 2017
    Beiträge:
    4
    Guten Abend,

    mein Name ist Claudia und ich arbeite seit 4 Jahren in einem Unternehmen als Assistentin. Ich mag den Job, verstehe mich gut mit meinen Kollegen und schätze meine Vorgesetzten. Ich habe immer viel gearbeitet und finde das prinzipiell auch nicht schlimm. Es ist mir lieber, wenn viel los ist, als zu wenig. Seit ca. einem Jahr häuft sich die Arbeit aber so sehr, dass Überstunden zur Regel geworden sind. Grund hierfür ist eine konstant gute Auftragslage, komplexere Projekte, die dazu führen, dass Aufgaben an mich delegiert werden und aber leider auch, dass ein Chef ebenfalls überlastet ist und ich daher oft lange auf Entscheidungen oder Freigaben warten muss, was mich in meiner Arbeit sehr behindert, weil die Anzahl der offenen Punkte stetig zunimmt. Eskalationen landen dann oft auf meinem Tisch, ich muss dann alles liegen lassen um mich darum kümmern, weil es dann eben drängt. D.h. ich plane meinen Arbeitstag und muss diese Pläne oft wieder über den Haufen schmeißen. Allgemein machen mir häufige Unterbrechungen im Arbeitsalltag schwer zu schaffen. Ich teile mir mein Büro, d.h. es klingeln die Telefone, Kollegen kommen rein, etc. Oft verlasse ich das Büro recht spät, habe viel erledigt, aber noch nicht genug. Gegenüber meinen Vorgesetzten habe ich die Themen adressiert. Ihnen ist bewusst, dass ich überlastet bin und wir haben über Lösungen gesprochen, aber es stellt sich noch keine spürbare Verbesserung für mich ein. Meine Verzweiflung wächst stetig, meine Leistungen und mein körperliches Wohlbefinden leiden momentan sehr. Soziale Kontakte überfordern mich momentan, ich möchte mich zurück ziehen. Innerlich fühle ich mich unendlich traurig und leer. Ich bin frisch verheiratet, in meiner Beziehung sehr glücklich. Trotzdem kann ich zuhause meine Ängste nicht vergessen. Ich weiß, dass ich schnell etwas ändern muss - nur was? Mich plagen Zweifel ob ich mein Leben lang als Assistentin arbeiten soll bzw. kann, weiß aber auch nicht, was ich sonst machen soll. Also mache ich einfach weiter und fühle mich mittlerweile als Passagier in meinem eigenen Leben, ohne Kontrolle. Ich möchte das nicht. Ich möchte nicht alles, was ich mir aufgebaut habe, gefährden. Aber ich sehe momentan keine Lösung für mein Probleme und weiß nicht, wo ich ansetzen soll bzw. wie schlimm meine Situation aktuell ist. Was würdet ihr mir raten? Zum Hausarzt gehen? Einen Berufscoach konsultieren? Gleich Psychologen kontaktieren? Wenn ihr bereits eine Therapie gemacht habt, wann war für euch der Punkt, als ihr beschlossen habt, dass ihr was ändern müsst. Welche Schritte habt ihr dann unternommen?

    Herzlichen Dank im Voraus für jede Antwort. Ich bin wirklich dankbar für jede Rückmeldung, jeden Erfahrungsbericht.

    Viele Grüße, Claudia
     
  2. Nami

    Nami Benutzer

    Registriert seit:
    12 November 2017
    Beiträge:
    18
    Hallo liebe Claudia,

    Da ich selber noch keinerlei Berufserfahrung habe, kann ich dir damit leider nicht dienen. Dennoch würde ich gerne versuchen zu helfen.
    Zuerst einmal scheinst du ja wirklich gut zu sein in dem was du machst, da dir deine Chefs so viel zutrauen und dann leider auch zumuten. Doch aus deinen ersten Zeilen lese ich auch, dass dir dein Job an sich Spaß macht. Ob du diesen nun für den Rest deines Lebens ausführen willst, liegt natürlich nur bei dir. Ich persönlich kenne aber einige die ihren Job nach einiger Zeit gewechselt haben und denen das wirklich gut getan hat.
    Bei dem was du beschreibst kann ich gut verstehen, dass dir die Sache über den Kopf wächst und du dich hilflos fühlst. Dass deine Vorgesetzten darüber bescheid wissen ist schon einmal gut, nur dass noch keine Lösung in Sicht ist ist natürlich unerfreulich. Ich Drücke dir die Daumen dass sich das bald ändert.
    Meiner Mum ging es mal ähnlich wie dir. Sie hat allerdings versucht es auszusitzen und das Ende vom Lied war dann ein Zusammenbruch, 1 Woche Krankenhaus Aufenthalt und die Diagnose Burnout. Danach musste sie ersteinmal etwas kürzer treten, ist aber in dem Job geblieben und nun wieder glücklich mit ihrer Arbeit.
    Mein Rat an dich wäre wirklich erst einmal einen Arzt aufzusuchen und ihm deine Lage zu schildern. Wenn er es für nötig hält, wird er dich dann immernoch an einen Facharzt überweisen. Aufjedenfall wird er Möglichkeiten kennen, wie du dich schonen kannst.

    Ich hoffe ich konnte trotz allem ein bisschen weiterhelfen :)

    Ganz viel Glück,
    Nami
     
  3. Fuel_for_Thought

    Fuel_for_Thought Neuer Benutzer

    Registriert seit:
    12 Dezember 2017
    Beiträge:
    4
    Vielen Dank für deine Antwort, Nami. Das hilft mir sehr.

    Mit meiner Hausärztin habe ich bereits gesprochen und u.a. um ein Blutbild gebeten. Ergebnis: Vitamin D-Mangel. Dagegen nehme ich zunächst nun Medikamente und hoffe, das dies hilft.

    Das mit deiner Mutter tut mir leid. Umso mehr freut es mich, dass es ihr besser geht.

    Ich habe große Angst, dass ich bald auch so weit bin. Viele Symptome, die einem Burnout zugeordnet werden können, habe oder hatte vor kurzem. Auf der anderen Seite kriege ich mein Leben vergleichsweise gut auf die Reihe... noch?

    Meine größte Angst ist, dass im aktuellen Job bald nichts mehr geht, ich meinen Job vielleicht sogar verliere, weil meine Leistungen zwangsläufig nachlassen und ich ohne Perspektive / Aussicht auf Besserung arbeitslos und obendrein psychisch am Ende bin.

    Ich weiß einfach nicht, wie ich das Runder rumreißen kann...
     
  4. Nami

    Nami Benutzer

    Registriert seit:
    12 November 2017
    Beiträge:
    18
    Es freut mich dass ich helfen konnte :)

    Dass dein Hausarzt im Bilde ist, ist auf jeden Fall schon einmal eine gute Sache. Werden bis auf die Medikamente denn noch weitere Maßnahmen ergriffen oder War es das erst einmal ?

    Ich hoffe dass dir ein Burnett erspart bleibt. Wäre es dir denn vllt möglich einfach eine kurze Auszeit von deiner Arbeit zu nehmen, vllt im Sinne von Urlaub ? Oder hast du vllt schon einmal über eine Kur nachgedacht ? Ich weiß zwar nicht wie das läuft aber es wäre ja eventuell eine Überlegung wert.

    Ich verstehe deine Ängste, aber ich denke nicht dass du Perspektivlos bist. Für mich hört sich das so an als wärst du eine sehr fähige Mitarbeiterin und so wie du deine Vorgesetzten beschreibst hören sie sich nicht an wie rücksichtslose Monster.

    Ich denke das wichtigste für dich wäre Momentan einfach dir Zeit zu nehmen um neue Kraft zu finden und einmal durch zu atmen.
    Welcher Weg da für sich der beste ist weiß ich allerdings leider auch nicht.
    Vllt wirklich eine Kur ?
     
  5. Diesel

    Diesel Erfahrener Benutzer

    Registriert seit:
    25 Februar 2018
    Beiträge:
    193
    Also, man kann da keine Universalantwort oder Rat geben! Aber ich kann dir aus meiner Erfahrung was sagen. Mir ging es auch so ähnlich und habe mir noch was drauf Eingebildet weil es ohne mich nicht geht. Dann kam die Phase, es liegt an mir das soviel unerledigt Liegen bleibt! Als nächstes hatte ich schlechte Träume, konnte nicht mehr Schlafen, Streitereien mit Kollegen! Als dann mein Vater starb kam der totale Zusammenbruch mit Klinikaufenthalt, Diagnose Bipolar, seitdem bin ich der Psycho!!!Mein Rat, ziehe die Reißleine, geh zum Arzt(Psychologen),es ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Viel Glück