Schwester wurde ermordet

Dieses Thema im Forum "Tod, Trauer" wurde erstellt von Selina1989, 4 Mai 2018.

  1. Selina1989

    Selina1989 Neuer Benutzer

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    4 Mai 2018
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    1
    Letztes Jahr am 02. April war der schlimmste Tag meines Lebens.
    Ich hatte es generell nicht leicht im Leben und bin mit einer Zwillingsschwester und einer Schwester, die ein Jahr älter war aufgewachsen.
    Meine Mutter war schwer überfordert und schlug uns regelmässig.
    Sie wollte uns Zwillinge nicht haben und ließ uns das spüren(tut sie bis heute)
    Mit 13 Jahren kam ich in ein Kinderheim und zog mit 18 in meine eigene Wohnung.
    Mit 21 lernte ich meinen Mann kennen und lieben und wir bekamen 2012 eine kleine Tochter.
    Leider folgte 2016 die Trennung und nun in 2 Wochen die Scheidung:-/
    Mittlerweile bin ich bei vergeben und im 4. Monat schwanger.
    Soviel zu meiner Lebensgeschichte.
    Also...der 2. April war der schlimmste Tag meines Lebens.
    Meine grosse Schwester würde vermisst gemeldet und nicht wenige Stunden später stand die Kripo in meiner Wohnung.
    Meine Schwester wurde von ihrem Freund/ Liebhaber umgebracht mit gerade einmal 29 Jahren.
    Etwas in mir brach zusammen und so fühlt es sich auch jetzt noch an.
    Ich kann es einfach nicht begreifen und spüre seither einen Dauerschmerz.
    Ich empfinde kaum noch Empathie und lasse Nähe und Gefühle schlecht zu.
    Natürlich sitze ich regelmässig da und Weine viele Stunden.
    Ich muss noch anmerken dass ich seit 2014 Depressionen habe, die nun vor dem Beginn der SS nur noch mit Therapie behandelt werden.
    Antidepressiva nehme ich keine.
     
  2. Achim

    Achim Sehr erfahrener Benutzer

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    Liebe »Selina1989«!

    Die große Schwester – ermordet. Wie lassen sich da auch nur Worte finden – von Dir, für Dich? Es ist so viel auf einmal: von Eurer Mutter nicht nur abgelehnt, sondern auch noch regelmäßig geschlagen – kann man sich eine schlimmere Form der Ablehnung eigentlich überhaupt denken? Und Deinen Vater erwähnst Du nicht einmal. Und dann wird Euch die geliebte große Schwester auf eine Weise genommen, wie sie erschütternder nicht sein kann. Das zeiht einem den Boden unter den Füßen weg. Das schleudert einen aus allen Sicherheiten raus, ins Chaos hinein. Es raubt alle Stabilität, es schockt zutiefst und lässt vollständig verstummen vor Trauer. Wie lassen sich die Tränen langsam trocknen? Wie lässt sich da zurückfinden ins Leben? –

    Ihr seid ja alle von dieser Katastrophe betroffen, die ganze Familie. Wie ist denn eure momentane Beziehung zueinander? Zu Deinen Eltern, zwischen Deinen Eltern, zu Deiner Zwillingsschwester… Das ist der Fragenbereich, die mir jetzt sofort, ganz spontan und unwillkürlich, in den Sinn kommt: das Zwischenmenschliche.

    Und das Zweite, an dem ich »hängenbleibe«, das sind Deine Depressionen, die Du erwähnst. Hast Du da Hilfe? Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann ja, aber eben »nur« therapeutische, nicht aber gleichzeitig, begleitend dazu, auch eine medikamentöse. Das eine ist meist so wichtig wie das andere; also frage ich einfach mal kurz, wie Du über eine medikamentöse Parallelbehandlung denkst. Du wirst ganz sicher schon über das Thema nachgedacht haben, vermute ich.

    Und schließlich noch eine ganz andere kurze Frage: Wie groß war denn der Altersunterschied zu Eurer großen Schwester; wie alt also seid Ihr beiden Zwillinge? Zur allgemeinen Orientierung ist das vielleicht hilfreich.

    Soweit einmal fürs Erste? Wenn Du gerne möchtest und auch die Energie dazu verspürst, dann kannst Du jederzeit wieder schreiben. Sollte es momentan nicht so gut passen, dann kannst Du selbstverständlich auch einfach noch warten, bis sich vielleicht eine etwas bessere Gelegenheit ergibt, gut? Jedenfalls bist Du jederzeit herzlich willkommen!


    Viele liebe Mutmach-Grüße in Tagen,
    die für Dich so unendlich dunkel sind –

    Achim

    P.S.: Ich habe nicht ganz verstanden, was Du mit dem Ausdruck »Mittlerweile bin ich bei vergeben« und mit »vor dem Beginn der SS« meintest. Könntest Du das vielleicht noch einmal mit ein paar Worten neu beschreiben?