Schwieriges Verhältnis zum Vater

Dieses Thema im Forum "Familie" wurde erstellt von Sophiaestimacatalunya, 13 Juli 2018.

  1. Sophiaestimacatalunya

    Sophiaestimacatalunya Neuer Benutzer

    Registriert seit:
    13 Juli 2018
    Beiträge:
    1
    Hallo,
    ich heiße Sophia, bin 22 Jahre alt und möchte meine Gedanken und Gefühle mit Euch teilen.
    Vielleicht gibt es auch Personen unter euch, die meine Gefühlslage kennen bzw. nachempfinden können.

    Wie der Titel schon erahnen lassen kann geht es um meinen Vater.
    Ich bin Einzelkind und wurde von meinem Vater als kleines Kind immer sehr verwöhnt und anderen gegenüber "vergöttert". Er sprach immer in den besten Tönen über mich.
    Doch in meiner Kindheit ging die psychische Belastung schon los. Ich musste mit Tag 1. der Grundschule Leistungen bringen, Versagen und "schlecht" sein war für mein Vater der absolute Horror und eine Schande.
    Ich erinnere mich sehr gut, dass ich in der 1. Klasse noch Schwierigkeiten hatte mit Mathe, ich war mit ihm alleine zu Hause und konnte die Aufgabe nicht lösen, er zerschlug damals unseren Glastisch mit seiner Faust.
    Ein anderes Mal, ich war in der 7. Klasse eines Gymnasiums, hatte ich wieder Schwierigkeiten. Hier hat sich der Moment eingebrannt, dass er mir ein Ultimo setzte um die Aufgabe zu lösen. "Wenn ich gleich wieder vom Nachbar da bin, ist die Aufgabe gelöst, ansonsten..." Ich hatte immer sehr Angst davor, wenn meine Mutter arbeiten war, ich mit ihm also dann alleine war.
    Auch bei anderen Themen rastete er immer komplett aus, wenn z.B. Freunde mal bis um 22. Uhr da waren..


    Als ich 15 war und meinen 1. Freund hatte, besserte sich das Ganze.
    Ich wurde mit der Zeit unabhängiger und eine selbstständige Persönlichkeit. Vor allem in den letzten Jahren, hat er immer wieder gemerkt, dass er mir gegenüber nicht ausfallend werden kann. Ich habe teilweise leider die Charakterzüge meines Vaters, und wenn er mich anbrüllt, brülle ich zurück und diskutiere mit ihm. Meine Mutter ist da sehr anders, sie hat sich immer unterdrücken und alles mit sich machen lassen. Das wird sich auch nach 30 Jahren Ehe nicht mehr ändern.

    Wenn mein Vater ausrastet, dann entgleist er völlig. Damit meine ich, es reicht ein kleines Thema damit die "Bombe" platzt, dann hängt er sich an unzähligen Dingen auf, die ihn stören. Die aber total lächerlich sind.

    So auch heute wieder.
    Die Abstände seiner "Aussetzer" werden immer kürzer.
    Vor 2 Wochen hatte er im Abstellraum einen Eimer voll Wasser umgekippt. Natürlich rastete er aus, aber jeder außer Ihm hatte natürlich Schuld. Das Ganze ging bis nachts um halb 2.
    Heute, hatte er am Vormittag mein Auto gewaschen und geputzt (man muss dazu sagen, dass das sein Hobby ist) und Vorgestern waren erst die Fenster geputzt worden.
    Nun fuhr ich meine Freundin und meine Mutter heute ins Krankenhaus und als wir nach Hause fuhren, fing es sehr doll an zu regnen. Er war gerade bei Nachbarn und als wir gemeinsam eintrafen, rastete er komplett aus, da mein Auto ja wieder nass und damit für ihn "dreckig" war. Außerdem geilte er sich daran auf, dass niemand an die Fenster gedacht hatte. Meine Freundin war die ganze Zeit vor Ort und musste mit anhören, was er für schreckliche Dinge gesagt hat.

    Er greift dann auch verbal meine Mutter an. Das heißt, er beleidigt sie und mich, sie ist ein Nichts, machts nichts, alles muss er machen... Dabei macht sie den kompletten Haushalt.
    Er warf uns auch vor, dass wir Schuld am Wetter sein und soweiter…

    Nun ist es mittlerweile fast 0.00 Uhr und ich möchte einfach nur schlafen.
    Kann es aber nicht, weil er immer noch im Wohnzimmer sitzt und immer, immer wieder anfängt zu provozieren… ich ertrage das nicht mehr.
    Ich arbeite Vollzeit, habe meine eigenen Probleme, die ich zu Hause mit niemanden teilen kann, weil es einfach Niemanden interessiert. Mein Vater denkt nur "er muss arbeiten, er verdient Geld, er ist kaputt.."
    Ich suche auch bereits seit längerem Zeitraum verzweifelt eine Wohnung, da ich hier einfach raus muss.

    Auch dabei unterstützt er mich nicht. Er will davon nichts hören und sagt dann nur "das kriegst du eh nicht hin" oder "ja, dann zieh doch aus, es bricht dann alles auseinander".

    Das alles verletzt mich tierisch und ich weine, und weine.
    Ich habe das Gefühl, nur für meine Eltern zu leben und nicht für mich.
    Auch habe ich die Position meiner Mutter eingenommen, d.h. da wo sie mich eig. verteidigen hätte müssen, all die Jahre, stehe ich nun hier mit 22 und verteidige sie.

    Durch diese ganzen Momente und Erlebnisse, merke ich mittlerweile selber, das ich sehr distanziert mit meinem Vater umgehe. Manchmal nervt mich seine Anwesenheit schon oder das, was er sagt. Ich spreche dann sehr unfreundlich in seiner Gegenwart manchmal oder bin einfach nur kurz angebunden. Ich finde das selber sehr schrecklich, nur kann ich dagegen so gut wie Nichts unternehmen.


    …. Vielen Dank das ich das mit Euch teilen durfte.
     
  2. Diesel

    Diesel Erfahrener Benutzer

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    25 Februar 2018
    Beiträge:
    380
    Guten Morgen Sophia, bitte Verzeih mir, das ich dir nicht sofort Geantwortet habe, aber das ist ein sehr schwieriges Thema, in dem ich mich teilweise selbst Wiedererkenne, bevor ich mich in Behandlung gegeben habe(bin Bipolar)! Denke, das dein Vater auch an dieser Krankheit leidet, oder an einer Ähnlichen und er Hilfe braucht! Hatte selbst zwei Töchter, somit ich weiß, was für ein wunderschönes Geschenk es ist, Kinder bzw. Töchter zu haben, natürlich geht es gar nicht, Kinder von klein auf so unter Druck zu setzen! Eventuell hat er sich selbst zu stark unter Druck gesetzt, dir zu Helfen ein "Mustermädchen" zu werden, wodurch er dir von Anfang an das Leben schwer gemacht hat! Wobei ein "gesunder Druck", schon Hilfreich sein kann, so ist es ein No Go, vor einem Kind den Tisch zu Zerschlagen und das kann diese Krankheit sein von der ich auch Betroffen bin! Wie ich lese warst du auf dem Gym, also ein junger Intelligenter Mensch, doch weiß man einfach nicht wie man das Einordnen soll, beim Vater den man doch Liebt, der sich aber so Verhält!!! Es ist auch ganz normal, das sich eine Tochter, vor die Mutter stellt und ihr Helfen will, bei so einem "Vater", jedoch ist die Mutter für sich selbst Verantwortlich und müsstest du dich nicht Verantwortlich fühlen, sondern die Mutter sich selbst zu Wehr setzten, aber ich denke sie hat schon damit (innerlich)Aufgegeben! Du musst auf alle Fälle, in erster Linie an dein junges Leben selbst denken, wie du selbst so Erkannt hast, raus aus dem Elternhaus in eine eigene Wohnung, damit du dir dein Leben so Aufbauen und Einrichten kannst, wie du es für richtig findest!!! Aus dem Abstand, kannst du wenn du dazu Bereit bist, deiner Mutter helfen und musst es nicht Täglich mitbekommen, was da Abgeht und auch dich mit nach Unten zieht! Tut mir Leid, wenn ich dir nicht mehr Helfen kann, vielleicht ist noch jemand da, der die Sache anders Bewertet, wünsche dir für dein junges Leben alles Gute und viel Kraft!

    Gruß Diesel