Ein langer Roman

Dieses Thema im Forum "Beziehung, Partnerschaft" wurde erstellt von Elli1982, 29 Juli 2018.

  1. Elli1982

    Elli1982 Neuer Benutzer

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    29 Juli 2018
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    1
    Ich möchte gerne einfach mal erzählen.


    Vor ungefähr drei Monaten bekam ich über Facebook eine Freundschaftsanfrage von einem alten Freund aus Jugendzeiten. Wir waren damals, ca. 14-15 Jahre alt, kurz zusammen. Wie es in dem Alter halt so ist.


    Immer mal wieder habe ich in den letzten 20 Jahren an ihn gedacht. Dann kam seine Anfrage über Fecabook. Ich freute mich sehr, nahm diese an, schrieb aber erstmal nichts. Ich wusste, dass er heiraten wollte und ein Baby in Planung war.

    Einige Zeit später fand ich zufällig beim Ausmisten ein uraltes Foto von ihm wieder. Ich musste so lachen. Dieses Foto schickte ich ihm. Da war dann der Kontakt wieder hergestellt. Wir schrieben über früher, über heute, einfach über Gott und die Welt. Irgendwann wechselten wir auf seine Initiative hin zu What’s app. Dort schrieben wir relativ häufig und auch sehr intensiv. Es war merkwürdig vertraut, lustig und manchmal auch anzüglich. Von beiden Seiten aus. Dann kam er vor ungefähr sechs Wochen zu mir nach Hause. Schon als er mir die Hand gab, mir in die Augen schaute und mich kurz in den Arm nahm, war irgendwas passiert. Nicht so was wie Liebe auf den ersten Blick, sondern irgendwas anderes. Ich habe bis heute keine Worte dafür.

    Wir saßen im Garten, tranken Kaffee und redeten. Dabei erfuhr ich auch, dass er vor einem Jahr wirklich auf das Übelste von seiner Verlobten sitzen gelassen wurde. Eine Geschichte, die ein Film hätte sein können. Ich merkte, dass es ihm sehr weh tat und es tiefe Wunden hinterlassen hat. Irgendwann kamen wir von einem zum nächsten und wir sprachen plötzlich über mich. Ich merkte, wie ich regelrecht neben mir stand und ihm erzählte, dass ich als kleines Kind, im Alter von 6 Jahren, sexuell missbraucht wurde. Ich konnte das Erzählen dieser Geschichte nicht aufhalten. Er war sehr entsetzt und bat mir sofort seine Hilfe an (er ist Polizist).

    Irgendwann musste er dann los, nahm mich in den Arm und küsste mich auf die Wange. Er sagte, er meldet sich. Das tat er auch. Wir schrieben viel, er lenkte mich ab. Es war wieder sehr schön, lustig und anzüglich. Drei Tage später traf ich den Mann, der mir damals das alles angetan hat bei Freunden. Als dieser Mann zur Tür rein kam, erstarrte bei mir alles. Ich konnte nicht atmen, mich bewegen oder sonst was. Das war das letzte, womit ich gerechnet habe.

    Was sollte ich tun? Das erste, was mir einfiel war, Lenk dich ab, schreibe irgendwem. Ich nahm also mein Handy und überlegte, wem soll ich denn jetzt schreiben? Niemand weiß davon. Also schrieb ich ihm. Er war sehr pragmatisch. Sagte, geh einfach. Irgendwie klappte das dann auch. Ich bin dann erstmal nach Hause und habe mir eine Flasche Wein aufgemacht. Ich dachte, ich hätte das alles gut verarbeitet. Hatte bereits einige Jahre Therapie deshalb hinter mir. Die schon lange zurück liegt. Aber so eine Situation gab es bis dato auch nie. Warum also ausgerechnet jetzt?

    Naja. Also. Irgendwann schrieb er mir wieder und fragte mich, wie es mir geht. Meine Antworten waren eher kurz und knapp, wollte ich ihn doch nicht noch mehr belasten. Er merkte auf jeden Fall das etwas nicht stimmt und redete so lange auf mich ein, bis ich los fuhr, um ihn zu treffen. Er nahm mich in den Arm, fragte, wie es mir geht. Er machte sich Sorgen, wollte nicht, dass ich mich sinnlos betrinke. Wir gingen dann spazieren und ich schaltete auf oberflächlich. Wollte nicht weinen und das alles hinter mir lassen. Keine solche Gespräche mit ihm führen. Irgendwann küsste er mich. Das zog mir den Boden weg. Es war so schön. Aber irgendwie war das auch alles total suspekt nach diesem Tag. Trotzdem konnte ich nicht aufhören. Er berührte mich und das küssen würde fordernder. Ich brach dann ab, weil es zu viel für mich wurde. Er entschuldigte sich und wir fuhren dann beide wieder Richtung nach Hause. Danach schrieben wir wieder viel. Leider nahm ich alles, was bisher zwischen uns passierte, als Anlass dafür, ihm ständig mein Leid zu klagen. Ihm zu erzählen, dass ich bei einem Anwalt war und so weiter. Trotzdem trafen wir uns noch ein drittes Mal. Ich fuhr zu ihm. Wir aßen gemeinsam und auch hier redeten wir wieder sehr viel. Diesmal auch er. Er erzählte von seiner Familie, die es damals nicht einfach hatte, von seinem Job in dem alles nicht ganz rund läuft und noch einige sehr vertraute Dinge. Immer wieder sagte er, dass zwischen uns sei sehr merkwürdig.

    Irgendwann landeten wir im Bett. Das war auch sehr schön. Er sagte immer wieder Dinge, wie du bist so schön und einfach der Hammer. Wir lagen lange rum und er scherzte darüber, dass wir heiraten sollten, wenn er im Lotto gewinnt und zusammen nach San Francisco gehen. In diese Richtung gab es noch mehr. Auf jeden Fall gab es zwischen uns eine sehr tiefe Verbundenheit.

    Naja. Dann kam der nächste Tag. Und alles war anders. Er war kalt wie ein Eisberg, antwortete nur noch sporadisch und mein Inneres fing an Panik zu schieben. Sollte ich diesen tollen Menschen schon wieder verloren haben? Und warum? Was habe ich getan? Natürlich startete ich in absoluter „Furien-Manier“ einen Nachrichtenmarathon, a la warum, wieso, weshalb und was hab ich falsch gemacht und es war doch alles so wunderbar, dass muss er doch auch gemerkt haben. Er antwortete immer brav. Erst noch ganz nett aber ohne konkrete Aussage und dann nicht mehr so nett. Ich wollte aber noch immer einfach nur verstehen. Diese ganze Emotionalität die entstand ließ mich zur Furie werden. Er schrieb irgendwann, dass das alles sehr schön war und wir das gerne wiederholen können, er sich aber zur Zeit nicht festlegen kann und will. Ok. Das nahm ich hin. Obwohl ich auch keine Beziehung will und wollte. Es war, wie ich bereits sagte, etwas so Besonderes, dass ich es nicht beschreiben kann.

    Auf jeden Fall schrieb ich dann, ok, das will ich auch nicht und so weiter(kaute nochmal vor, wie besonders alles war und wie sehr er mir jetzt schon fehlen würde, als Mensch und noch mehr bla bla) und ich legte es in seine Hände, sich zu melden. Bis hier hin war eine Woche nach dem letzten Treffen vergangen.


    Natürlich konnte ich es nicht lassen, immer mal wieder in unserem Chat so zu tun, als würde ich ihm schreiben. Löschte aber immer alles ganz brav wieder. Denn er war ja dran.

    Wieder eine Woche später, schickte ich dann versehentlich doch eine Nachricht ab, löschte diese sofort wieder und dann fiel mir ein, dass er jetzt ja sehen kann, dass ich eine Nachricht gelöscht habe. Oh man. Wie ein kleines Kind. Also noch eine Nachricht los schicken: hey, wie gehts? Hab gerade an dich gedacht und viel zu spät erst gemerkt, dass ich mich ja gar nicht mehr melden wollte. Egal. Bis dann.


    Ja..... ob es noch peinlicher geht? Ja. Den Höhepunkt meiner Dämlichkeit erreichen wir gleich.


    Er antwortete darauf: was ist nur mit dir los? Sei nicht böse, es passt zur Zeit nicht, hat aber nichts mit dir zu tun.


    Ich schrieb dann nochmal alles auf, was ich so gerade fühle und denke und dass ich Angst habe, ihn restlos zu vergraulen, deshalb wie auf rohen Eiern laufen und von einem Fettnäpfchen ins nächste falle.


    Drauf kam von ihm, dass er mich nicht verarscht habe, zur Zeit selber andere Probleme hat, er sich auch gerade nicht treffen will und ich das bitte akzeptieren soll.

    Gut. Ich schrieb dann, dass ich das tun werde, fragte ihn, ob wir den Kontakt ganz abbrechen sollen oder ob ich mich trotzdem hin und wieder nach ihm erkundigen darf.

    Daraufhin war er wohl „ein wenig“ genervt und schrieb: Ich glaube, du hörst mir nicht richtig zu. Ich möchte zurzeit nicht schreiben. Oder sonst was. Aber ich melde mich wieder bei dir. Das alles hat nichts mit dir zu tun.


    Super oder? Welch Glanzleistung meinerseits. Das ganze ist jetzt wieder etwas über eine Woche her. Ich ärgere mich so sehr über mich selber. Weine viel und frage mich, ob ich jemals wieder von ihm hören werde.


    Denn für uns beide war das, was in so kurzer Zeit passierte, sehr merkwürdig.

    In fünf Wochen hat er Geburtstag. Werde ihm eine Karte schicke ( eine Nachricht traue ich mich nicht zu schreiben...)


    Aber um endlich mal auf den Punkt zu kommen. Hab ich ihn verloren? Ich liebe ihn nicht. Esoterisch würde ich so was sagen wie, Seelenpartner. Oder so was. Ich weiß auch nicht.
     
  2. Nami

    Nami Benutzer

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    18
    Liebe Elli,

    Ich habe gerade deinen Post gelesen und möchte dir da gerne drauf antworten, auch wenn meine Lebenserfahrung noch mickrig ist.

    Mir ging es vor einem Jahr so ähnlich wie dir. Einen Jungen Mann kennengelernt, super verstanden, anziehung war eindeutig da und sehr viel über Gott und die Welt geschrieben. Wir wollten uns immer noch einmal treffen und von jetzt auf gleich, von ihm, völliges desinteresse.
    Die Furie kann ich sehr gut nachvollziehen, nicht klug und unschön, aber in solchen Momenten kann man halt manchmal einfach nicht aus seiner Haut raus. Von ihm kam damals dann auch, bei ihm wäre es Momentan schwierig und es würde nicht an mir liegen. "Es liegt nicht an dir, es liegt an mir.", der wohl älteste Spruch um jemandem zu sagen, dass es das war. :( Und so war es bei mir dann auch.

    Ich kann dir nur die Daumen drücken, dass es bei dir anders sein wird und er sich wieder bei dir meldet. :)
    Ich wünsche dir alles Gute und Glück der Welt und drücke dir auf jeden Fall die Daumen.

    Alles Liebe,
    Nami
     
  3. SandraKkk

    SandraKkk Benutzer

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    Beiträge:
    17
    Mir ging es vor einem Jahr so ähnlich wie dir. Einen Jungen Mann kennengelernt, super verstanden, anziehung war eindeutig da und sehr viel über Gott und die Welt geschrieben. Wir wollten uns immer noch einmal treffen und von jetzt auf gleich,