Agnostizismus

Dieses Thema im Forum "Andere/r Kummer, Sorgen, Probleme" wurde erstellt von Diesel, 14 September 2018.

  1. Diesel

    Diesel Erfahrener Benutzer

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    236
    Auf dieses Thema hat mich ein User gebracht darüber Nachzudenken. Es liegt mir fern, irgendjemanden zu Missionieren oder Bekehren, ich mache mir einfach Gedanken über Menschen mit anderen Ansichten und Glaubensformen. So wie ich oft Erlebe, das Menschen bestreiten einen Glauben zu haben und dann Erzählen sie von Schamanen/Medizinmänner/Avatars usw., weiter, können sie es nicht Verkneifen über die Glaubensformen zu Wettern, ob es die Evangelische oder Katholische Kirche ist. Eigentlich müsste ihnen doch diese Egal sein und wenn mir etwas Egal ist, dann Verliere ich darüber kein Wort! Aber lassen wir das, kommen wir zum Thema zurück, Agnostizismus, das Wort hat mich ihn den Bann gezogen! Bin ich nicht auch so einer, ein "Zweifler" sage ich nicht auch oft, ich weiß nicht ob es einen Gott gibt, kann sein, kann nicht sein? Nun muss ich zugeben, das ich zwar ein Gläubiger bin, da mir der Katholische Glaube anerzogen wurde und ich Glaube an Gott, aber bestimmt keinen "Härtetest" wie z.B Folter oder so für den Glauben durchstehen würde, also ich bin ein "Kleingläubiger"! Oder bin ich auch ein Agnostizist, wie fest mein Glaube ist, sieht man, das ich die Frage nicht Beantworten kann, warum sage ich dann, ich Glaube an Gott? Ich hoffe, es ist nicht Heuchlerisch und bin noch ein schlechterer Mensch als so!?
     
  2. Achim

    Achim Sehr erfahrener Benutzer

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    Lieber Diesel!

    Natürlich habe ich längst bemerkt, dass Deine eigenen Ersteinträge hier in den Foren ganz oft um diese nahezu unendlich vielfältigen Fragen von »Glaube, Gott und Religion« kreisen. Wenn ich Dir bislang noch nicht darauf zurückgeschrieben habe, dann liegt das nicht daran, dass es nicht möglich gewesen wäre, Dir etwas zu erwidern, aber heute passt es einfach besonders gut, besser als sonst, Dir auf den einen oder anderen Gedanken eine kleine Erwiderung zu schreiben.

    Zum Einen: Ich teile Deine Beobachtung, dass Menschen, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören, bisweilen gegen religiöse Themen »wettern«, wie Du sagst. Trotz ihrer offen bekundeten persönlichen Glaubensferne scheinen alle diese Fragestellungen sie also wahrlich alles andere als kalt zu lassen. Im Gegenteil. Sie können sich regelrecht in Rage reden. Vielleicht lässt es sich so ausdrücken: Dass sie keiner Glaubensgemeinschaft angehören, äußerlich also mit alledem nichts zu tun haben, das ist die Oberfläche. Untendrunter aber, in der Tiefe ihrer Gedanken und Gefühle, kommen die Fragen, die Zweifel am Zweifel – und oft auch ihre erlittenen Verletzungen – nicht zur Ruhe. In allen diesen Dingen ist da offensichtlich etwas, das sie »unbedingt angeht«, wie der große Dietrich Bonhoeffer es einmal ausgedrückt hat. Meine Beobachtung ist jedenfalls: Hat man die Gelegenheit, mit ihnen über all das unter vier Augen zu sprechen – und vor allem: und ihnen zuzuhören, wirklich zuzuhören –, dann offenbart sich regelmäßig eine große gedankliche und gefühlsmäßige Tiefe. Solche Gespräche müssen aber wirklich abseits aller Öffentlichkeit stattfinden können.

    Zum anderen: Ich kann gut verstehen, dass der Begriff »Agnostizismus« Dich »in seinen Bann gezogen« hat, wie Du es so anschaulich ausgedrückt hast. Denn oft kann er besser wiedergeben, wie man sich eigentlich fühlt. Treffender als lediglich die Schwarz-Weiß-Begriffe von »Glaube« und »Unglaube«, die für das jeweils andere keinen Platz zu lassen scheinen, drückt »Agnostizismus« aus, wie sehr sich unser Glaube und unser Zweifel am Glauben in unserem Leben ständig durchmischen. Der Glaube und der Zweifel am Glauben sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Sie geben das ständige Ab und Ab unseres gesamten Lebens wieder. Das eine scheint dem anderen zu widerstreiten, und deshalb ist die Aussage »Ich bin Agnostiker« für viele Menschen nicht nur die rein gefühlsmäßig ehrlichste, sondern auch die intellektuell aufrichtigste.

    Und zum Dritten ist Deine feinsinnige Unterscheidung zwischen »Kleingläubig« und »Agnostisch« sicherlich wichtig: Sie zeigt, wie dünn die Scheidewand zwischen den beiden Haltungen sein kann und wie leicht sich unsere Neigung vom einen zum anderen zu ändern vermag, vielleicht unter dem Eindruck bestimmter Erlebnisse oder Gespräche. Sicherlich kann es wichtig sein, irgendwann noch einmal gesondert über den Ausdruck »kleingläubig« zu sprechen. Aber ich weiß natürlich, was Du in diesem Kontext damit meinst: den Übergang vom »schwachen«, »nicht richtigen, nicht wirklichen, nicht echten«, aber immerhin »irgendwie« dann doch »schwach« vorhandenen Glauben zum manifesten Zweifel – und umgekehrt. Nur einen Schritt weit scheinen sie oft auseinanderzuliegen, fast eher nebeneinander als auseinander. Wer seine Zweifel offen äußert, ist ganz sicher kein »schlechter« Gläubiger – oder gar insgesamt ein »schlechter Mensch«. Sondern meist sogar ein besonders mutiger. (Und oft werden gerade diejenigen, die am sichersten im Glauben stehen (oder zu stehen meinen), von den massivsten Zweifeln und Infragestellungen heimgesucht.) Der Hader mit Gott, die Wut auf Gott, der Zweifel an Gott überhaupt – gehören zum Glauben dazu. Es wird sogar gelten: Wer nie an Gott gezweifelt hat, hat nie an ihn geglaubt. Die Zweifler, glaube ich, sind oft ganz nah bei Gott.


    Viele Grüße zum Wochenende –
    Achim
     
  3. Diesel

    Diesel Erfahrener Benutzer

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    Achim, ich danke dir, aber was du in deinem Abschlußsatz ausdrückst ist ein "Demütiger Gläubiger", so wie ich es Verstanden habe, ich bin aber nicht nur ein "schlechter Gläubiger", sondern habe zu keinster Weise den Willen/Auftrag/mein Soll/die Wegweisung meines Glaubens und somit Gottes erfüllt, also habe ich nicht/ keinen Anrecht/Anspruch beim Herrn! Ich hoffe du Verstehst mich, da ich mich nicht so "Gewählt Ausdrücken" kann wie du. Nochmals danke für deine Worte.
     
  4. Misterio

    Misterio Benutzer

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    Also erst einmal vorweg Diesel: Ich wollte dich nicht irgendwie in eine negative Stimmung bringen oder gar an deinem Glauben zweifeln lassen. Falls das der Fall sein sollte: Entschuldigung!

    Ich bin der Ansicht, dass die Existenz eines Gottes ungeklärt ist und obendrein auch nicht klärbar ist. Jeder Mensch soll nach seinem Glauben glücklich werden. Ich schätze und achte alle Religionen und schätze und achte auch Menschen die die Existenz eines Gottes oder höheren Wesens bestreiten.

    Wenn du mich fragen würdest, ob es einen Gott gibt, würde ich dir antworten: "Ich weiß es nicht und für mich ist es auch nicht relevant, da es nicht zu klären ist."

    Sollte sich eines Tages herausstellen, dass es einen Gott gibt, dann werde ich das akzeptieren. Sollte es keinen geben, wäre das genauso der Fall.

    Ich lebe auf diesem Planeten. Ob es eine höhere Macht gibt oder nicht, ist für mich nicht relevant. Relevant ist für mich, dass die Menschen nach ihrer Fasson glücklich leben ohne andere damit ins Leid zu stürzen.
     
  5. Diesel

    Diesel Erfahrener Benutzer

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    Hi Misterio, das hast du falsch Verstanden oder ich habe mich nicht genau Ausgedrückt! Es hat mir sogar Gefallen, da ich das Wort Geschrieben hast, den ich habe es Jahre nicht mehr Gehört. Im übrigen, habe ich dir schon mal Geschrieben, die Einstellung von Glauben/Politik/Vorlieben, haben mit uns nichts zu tun, es Zählt der Mensch an sich und soweit ich das sehen von Misterio, passt das, das ist Wichtig für mich. Schlaf Gut und eine gute Woche für dich.