Vom Vater angefasst aber geteilter Meinung

Dieses Thema im Forum "Vergewaltigung, Missbrauch" wurde erstellt von Blaubeerchen, 31 Mai 2019.

  1. Blaubeerchen

    Blaubeerchen Neuer Benutzer

    Registriert seit:
    31 Mai 2019
    Beiträge:
    1
    Hey, also ich bin heute das erste Mal hier und weiß nicht wirklich wie ich anfangen soll..
    Mir ist es auch unangenehm darüber zu sprechen, aber da es ein Stück weit anonym ist, erzählt es sich doch leichter.
    Also... ich hab ein ziemlich gutes Verhältnis zu meinem Papa. Ich hab ihn unglaublich lieb und er mich. Ich würde sogar behaupten dass unser Verhältnis besser als in anderen Familien ist, da Töchter ja eigentlich ein Muttikind sind (mit ihr komme ich aber auch super klar). Da ich schon viele tolle Sachen mit ihm erlebt habe und er auch immer für mich da ist, scheint er echt ein Traumpapa zu sein. Und das was ich anderen über ihn erzähle lässt das auch vermuten. Er ist auch wirklich immer zur Stelle um mich wohin zu fahren, etwas zu bauen, mir am PC zu helfen, Arbeitsaufträge mit mir zu machen, und und und... Aber es gab da mal eine Nacht, über die ich seit damals kaum sprechen kann, weil die Erinnerung daran mich sehr belastet. Ich möchte auch kein falsches Bild von ihm vermitteln, eben weil er so toll ist. Deshalb kann ich mich niemandem öffen, aus Angst sie würden ihn dann verurteilen oder mit anderen Augen sehen. Ich hab nun doch in letzter Zeit ab und zu mit meiner Mama darüber geredet, aber mich mental so davon abgeschottet, dass diese Bilder und Erinnerungen nicht aufkommen...
    Zu "jener Nacht"... Ich war damals 12 oder 13 und meiner Schwester ging es sehr schlecht weshalb sie zur Behandlung in ein anderes Bundesland musste. Meine Mama ist zur Unterstützung mitgefahren. Ich war also alleine mit meinem Papa, was oft sehr schwer war, da er mit seelischer Belastung sehr still und einsam umgeht. Weil ich nicht alleine schlafen wollte habe ich damals oft im Bett meiner Eltern geschlafen, und deshalb lag ich eben neben meinem Papa. (Wow, also ich muss gestehen so richtig davon erzählen will ich nicht, weil es mir unglaublich schwer fällt darüber nachzudenken!! Ich hab sehr zu kämpfen mit mir!)
    Entschuldigt bitte die gleich folgende abgestumpfte Version, aber ich kann einfach nicht ausführlicher werden!
    Mein Papa hat mich intensiv angefasst.
    Ich hab versucht es zu vertuschen, aber da ich damals in Therapie war, hab ich es angesprochen und dadurch ist mein gesamtes Leben zusammen gebrochen. Meine Eltern haben sich getrennt, wir haben alle unsere Freunde verloren, weil die nichts mehr mit so einem Menschen zu tun haben wollten und auch meine Mama nicht verstehen konnten, warum sie ihn nicht angezeigt hat... Seine Aussage dazu war, dass er mich im Traum mit meiner Mama verwechselt hat. Ich glaubte und glaube ihm. Niemand sonst.
    Dass es nicht meine Schuld war, ist sicher naheliegend, aber ich war wach... und er nicht.. ich hätte einfach aufstehen und in mein Bett gehen können. Das lässt mich nicht los! Eigentlich ist alles gut so wie es gekommen ist, aber diese Nacht hat nicht nur mein Leben (aus damaliger Sicht) zerstört, sondern auch mich. Ich hab manchmal Träume, entweder schlimme, oder sehr verstörende Träume! Da ich weiß dass das nicht normal ist, belastet mich das sehr. Wenn die Erinnerung sich langsam anbahnt bekomme ich Panik und versuche mich zwanghaft sofort abzulenken.
    Durch psychische Probleme (sicher teilweise auch deswegen) war ich in Therapie, aber ich hab es nie geschafft das Thema anzuschneiden. Ich weiß nicht was mich hemmt, irgendwie ist es mir unangenehm, weil er so ein toller Mensch ist, und nur wegen dieser einen Sache sollte nicht alles Gute in ihm untergraben werden.
    Selbst hier habe ich Angst, dass irgendjemand meine Geschichte erkennt und weiß wie schlimm das ist und so..
    Ich bin jetzt 18 Jahre alt und verletze mich seit damals regelmäßig. Ich bin nicht geisteskrank, also kann ich reflektieren dass all meine Probleme die ich versuche zu verdrängen nur so schlimm sind, weil ich sie seit gut sechs Jahren verdränge... Damals ist viel schlimmes passiert und mir ging es immer soweit gut. Aber je älter ich werde, desto schwerer fällt es mir damit zu leben.
    Ich weiß nicht was ich machen soll, denn alles auszusprechen wäre wohl das Beste, aber dafür bin ich nicht stark genug und dafür fehlt mir auch der Mut.

    Ob das so richtig ist wie offen ich hier bin weiß ich leider auch nicht... ich hoffe es. Und vielleicht hat einer von euch ein paar Gedanken dazu.
    Liebe Grüße
     
  2. Misterio

    Misterio Benutzer

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    Berlin
    Wenn du Probleme verdrängst, werden sie dich nie ganz loslassen und je länger du das mitmachst, desto schlimmer werden die psychischen Begleiterscheinungen. Wenn du sagst, dass du es in einer Therapie nicht zur Sprache bringen kannst, versuch es doch mal telefonisch und anonym beim Krisendienst. Ich weiß nicht wo du lebst aber eine Anlaufstelle gibt es bestimmt auch bei dir. Google is your friend.

    Was das "Verwechseln" angeht, kann ich mir das sogar sehr gut vorstellen. Ich bin mittlerweile 35 Jahre alt und ich habe mich zwar nie an einen anderen Menschen geklammert als meine Freundin (bzw. Freundinnen) aber selbst ein Kissen reicht mir schon aus um im Dämmerzustand des Kopfes mit einer Freundin verwechselt werden zu können.

    Ich lege im Schlaf gerne meinen Arm um meine Freundin und wenn ich müde genug wäre, würde ich wahrscheinlich auch ohne es zu merken eine andere im Dunkeln "betatschen" im Glauben es wäre meine Freundin.

    Da es nur einmal vorkam, bin ich auch bereit deinem Vater zu glauben. Aber da es dich immernoch beschäftigt, solltest du das in einer Einzel- oder Gruppentherapie verarbeiten und damit abschließen. Tu dir selbst den Gefallen und komm mit der Situation ins Reine bevor es schlimmer wird.