Trotz gutem Leben unterschwellige Unzufriedenheit

Dieses Thema im Forum "Depression, Sinnkrise, Unzufriedenheit" wurde erstellt von Damian3141, 11 Juli 2019.

  1. Damian3141

    Damian3141 Neuer Benutzer

    Registriert seit:
    11 Juli 2019
    Beiträge:
    1
    Ich bin perfektionistisch und selten ganz zufrieden mit dem, was ich erreiche. An sich finde ich das gar nicht schlecht. Gefährlich wird es immer dann, wenn ein Teil der Unzufriedenheit in Selbsthass umschlägt. Bei nur auf mich selbst bezogenen Dingen, geht das noch, da habe ich das Gefühl, ich verkrafte den Selbsthass ganz gut. Doch bei Beziehungen zu anderen Personen wird es schnell hinderlich. Wenn mir ein recht enger Freund mal eine Woche nicht schreibt oder anders mit mir redet, falle ich recht schnell in ein Muster der Deprimierung (Gedanken wie „ich bin allen außer meiner Familie egal“). Ich fange mich meist recht schnell selber, doch es bleibt offensichtlich, dass ein Problem besteht.



    Ein Teil des Problems besteht sicher darin, dass ich ein sehr geringes Selbstwertgefühl habe. Ich versuche es stets selber rational zu regulieren, doch merke ich ab und zu, dass die Suche nach der Bestätigung anderer einer der Hauptantriebe in meinem Leben ist.



    Dies ist eine Beobachtung, die ich selbst treffe, wenn ich in mich hineinhorche. Das vorgeschobene Selbstbewusstsein, das ich habe, ist sehr alltagstauglich und ich schätze, dass die meisten Personen, die mich kennen mich nicht als sehr schüchtern oder unsicher beschreiben würden und mir vermutlich keine Minderwertigkeitskomplexe zutrauen würden (oder zumindest nicht in dem Ausmaß, wie sie bestehen.)



    Es muss zusätzlich erwähnt werden, dass mein Gemütszustand stark schwankend ist. Es gibt auch viele Momente, in denen ich einfach nur glücklich bin und meine Probleme vergesse und ich kann grundsätzlich die Gefühlsschwankungen ins Negative stets überblenden bzw. ausblenden und ignorieren, wenn ich will. Trotzdem ist dieses nagende negative Gefühl weite Teile der Zeit der und ich werde fast jeden Abend vor dem Einschlafen schwermütig.



    Ich habe mich schon recht viel mit dem Problem auseinandergesetzt und dabei im Wesentlichen folgende Erkenntnisse gesammelt:



    1. Recht viele der einfachen Wege, die Leuten standardmäßig vorgeschlagen werden, und Übungen passen nicht zu mir, weil sie durch meinen Perfektionismus oder meine Weltansichten ausgehebelt werden. (Selbstbewusster und weniger schüchtern zu werden, indem man sich einfach mehr traut und z.B. in mehr Gesprächssituationen geht, hat beispielsweise bisher nicht geklappt, wobei das natürlich auch an mir bzw. der Umsetzung liegen kann.) - bitte gerne trotzdem vorschlagen :)

    2. Ein Problem könnte auch sein, dass ich den Perfektionismus und das geringe Selbstwertgefühl nicht als etwas durchweg schlechtes sehe, da eh jeder ein bisschen Perfektionismus braucht und beides Gute Auswirkungen hat. (Perfektionismus erzeugt Ehrgeiz, der im Leben hilft voranzukommen und man folgt besseren Standards. Geringes Selbstwertgefühl bringt mich vielleicht dazu, gut sein zu wollen und Leuten zu helfen (dieses Bedürfnis ist bei mir zumindest stark ausgeprägt).) Das geringe Selbstwertgefühl empfinde ich insgesamt aber schon als etwas Negatives, das ich gerne loswerden würde, ich habe aber die Befürchtung, das es eng verflochten mit dem Perfektionismus und vielleicht sogar mit durch diesen erzeugt ist.

    3. Eine wichtige Rolle spielt sicher auch, dass ich noch meine Rolle in der Welt bzw. meinen Sinn für das Leben suche. Dies ist aber natürlich etwas, das kaum endgültig zu lösen ist, mit dem man vielleicht also einfach leben muss bzw. abwarten muss, was sich noch für einen ergibt.


    Ich habe insgesamt ein verdammt gutes Leben und finde es deshalb schade, dass ich im Moment nicht in der Lage bin, einfach glücklich zu sein.

    Ich habe im Moment auf jeden Fall genug Disziplin, das Problem zu ignorieren und einfach mein Leben weiter fortzuführen und würde vermuten, dass sich das auch nicht so schnell ändert. Ich würde auch durchaus sagen, dass ich wahrscheinlich bereits mehr Zeit habe, in der ich glücklich bin, als viele andere Menschen auf der Welt, denen es schlecht geht.

    Ich könnte aber so viel glücklicher und zufriedener sein.

    Wenn ich das Problem lösen kann, sollte ich es deshalb auf jeden Fall versuchen.

    Wenn sich abzeichnet, dass das Problem trotz aller Versuche bestehen bleibt, kann ich es ja immer noch weiterignorieren und damit leben. Wenn es sich um ein vorerst unlösbares Problem handelt, wäre es aber auch wichtig das zu erkennen und zu akzeptieren.



    Wenn ihr Tipps/Lösungsvorschläge oder andere Hilfe für mich habt freue ich mich.
     
  2. kathi

    kathi Benutzer

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    Beiträge:
    65
    ich kenn das. es ist wie man der welt eine Maske nach außen zeigt. mich würden die meisten auch nicht als als schüchtern oder introvertiert bezeichnen. obwohl ich es im inneren bin. zusätzlich habe ich ein großes helfersyndrom.
    leider hat es mich dazu gebracht meine eigenen Probleme zu ignorieren. mich mehr um andere als um mich zu kümmern. das ging soweit, dass ich aufgrund eines Nervenzusammenbruch mit suizidversuch in einer psychatrischen Klinik gelandet bin. ich dachte auch immer es geht mir gut und ich komme mit allem klar.
    da ich immmer die starke war, wurden meinen Problemen sei es durch mir oder andere nie große Beachtung geschenkt, bis es eskaliert ist. von knall auf fall.

    meine tipps für dich
    -versuche dir auch fehler einzugestehen. Perfektionismus ist nicht alles
    -such dir eine Person mit der du GANZ OFFEN reden kannst. über alles.
    -lass dich nicht ausnutzen auch wenn du helfen willst. es kann dich am ende kaputt machen.

    grüße