victim blaming

Dieses Thema im Forum "Vergewaltigung, Missbrauch" wurde erstellt von a.retsiem, 28 Juli 2019.

  1. a.retsiem

    a.retsiem Neuer Benutzer

    Registriert seit:
    28 Juli 2019
    Beiträge:
    1
    hallo zusammen

    ich habe es ende februar erlebt. ich war sehr betrunken und auf drogen und habe, abgesehen von wenigen, sehr eindeutigen erinnerungen, einen filmriss. ich habe anzeige gemacht. dies, weil ich es aus meinen überzeugungen heraus machen musste. die folgen der anzeige sind für mich recht krass - die tat bekam dadurch eine ganz neue dimension. ich bin seit längerem arbeitsunfähig.

    was mir fest zu schaffen macht, ist der selbstzweifel, der schlussendlich unberechtigt ist - ich weiss, was ich weiss.
    dieser selbstzweifel (internalized victim-blaming), den ich, wir alle, in unserer gesellschaft erlernt haben, wird immer wieder von ausserhalb genährt. dies mit (gutgemeinten) kommentaren auch von nächsten angehörigen: "versprich mir, dass du nie wieder so viel trinkst" - welcher (rausch)zustand auch immer gibt niemandem die berechtigung, diesen auszunutzen.
    "gell, du gehst von jetzt an nicht mehr allein nach hause" - jede frau sollte sich zu jeder tageszeit sicher fühlen, egal ob allein.
    "jeder macht mal einen fehler", "bist du sicher, dass du es nicht wolltest?", "magst du dich erinnern, dass du nein gesagt hast?", "Sie werden ja nie wieder so viel trinken"...

    Immer wieder zweifle ich an mir. Es ist manchmal so schwierig, mir selbst zu glauben. Auch, weil mehr leute mir in irgendeiner form eine mitschuld gegeben haben, als dass mir gesagt wurde, dass es egal ist, ob und wie betrunken ich war. es zermürbt mich desweilen so sehr, dass ich überlege, meine anzeige zurück zu ziehen. dies und die langwierigkeit und widrigkeit des verfahrens.

    Erlebt das jemand ebenfalls? Dieses Gefühl von "war ich nicht irgendwie selbst schuld?", "übertreibe ich nicht?"- auch dieses Mitschuldig gemacht werden von aussen?

    Wie geht ihr damit um?

    Wir Frauen sind nicht allein mit dem was uns tagtäglich geschieht, wir sind so viele, die (sexuelle) gewalt erleben. Und doch wird uns weis gemacht, wir selbst trügen eine mitschuld, würden herausfordern. das macht mich so wütend.

    danke euch!
     
  2. Diesel

    Diesel Erfahrener Benutzer

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    Beiträge:
    370
    Guten Morgen a.retsiem, ich Schreibe dir als Mann und Bestärke dich die Anzeige zu halten! Es sollte jeder, ob Mann oder Frau, sicher sein in unserem Land, jedoch gibt es das eine Prozent an "Männlichen Schweinen" die sowas Ausnützen und diesen gehört das Handwerk gelegt! Jedoch, muss ich auch ein Wort an die Frauen richten, Frei in unserem Land zu Leben heisst auch "Eigenverantwortung" übernehmen, um späteres Klagen zu Vermeiden! Beste Grüße und viel Kraft!
     
  3. Misterio

    Misterio Benutzer

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    Berlin
    Ob du die Klage aufrecht erhälst oder zurückziehst bleibt dir überlassen.

    So wie ich es verstehe, hast du dich mit Alkohol / Rauschmitteln selbst abgeschossen und dann Sex gehabt. Inklusive Filmriss und einigen, wenigen Erinnerungen, die du aber als eindeutig bezeichnest.

    Das Problem bei deiner Klage wird der Beweis sein. Gibt es Zeugen? Wenn nicht, dann wird die Klage wahrscheinlich fallen gelassen. Dann steht die Aussage eines Menschen im Rauschzustand gegen die eines anderen Menschen und am Ende heißt es in dubio pro reo und die Sache ist erledigt.

    Was auch immer mit dir passiert ist, die Schuld für die Tatsache, dass du nicht in der Lage warst dich zu wehren oder klar zu argumentieren, geht auf dein Konto. Wer sich in der öffentlichkeit selbst abschießt, wird leicht zum Opfer und kann danach nichts mehr beweisen.

    Und die lieben, unschuldigen Frauen, die im Rahmen der sehr populären #metoo Bewegung die reine Opferrolle übernehmen, kann ich auch nicht mehr sehen. Frauen sind bei weitem nicht so unschuldig, wie sie vorgeben zu sein. Ihr wollt doch die angeblich nicht vorhandene Gleichberechtigung mit Männern haben. Dann nehmt auch alles Andere mit, was dazugehört. Zum Beispiel das eigenverantwortliche Handeln und die Konsequenzen des eigenen Handelns zu tragen.

    Ich habe Frauen erlebt, die sich untereinander abgesprochen haben, wie sie denn ihrem Chef eine Klage wegen sexueller Belästigung anhängen können oder sich mit diesen Behauptungen an ihren Ex-Freunden rächen können. Bedanke dich vielleicht auch ein bisschen bei deinem eigenen Geschlecht für die Reaktion die Gesellschaft auf den Vorwurf der Vergewaltigung.
     
  4. Diesel

    Diesel Erfahrener Benutzer

    Registriert seit:
    25 Februar 2018
    Beiträge:
    370
    Es sind "Klare und auch Harte Worte" von Misterio, jedoch nicht Unbegründet und aus der Luft geholt! Denn der "Frauenpower" geht schon in diese Richtung, das kann er ja, in unserem Jahrhundert sollte es keine Unterschiede geben zischen Mann und Frau, dazu Gehört aber auch die Eigenverantwortung und das Wissen, bestimmter Situationen präventiv zuvor zu kommen! Dies soll jedoch keinen Missbrauch oder eine Vergewaltigung Rechtfertigen, aber wer in den "Löwenkäfig" steigt, der kann auch Gefressen werden! Solche Metapher gibt es noch Tausende, es soll aber ganz einfach heissen, "ohne Hirn einschalten kann man in einer Freien Welt nicht Leben, den da meinen alle sie sind Frei"und darum kann man alles machen !!!