Einfach aufgeben

Dieses Thema im Forum "Depression, Sinnkrise, Unzufriedenheit" wurde erstellt von bxv6, 6 August 2019.

  1. bxv6

    bxv6 Neuer Benutzer

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    6 August 2019
    Beiträge:
    1
    Hello liebes Forum :)

    ich bin M und bin gerade 26 geworden aber ich weis nichtmehr wie ich weiter machen soll.
    Ich denke Außenstehende würden mich als recht gutaussehend und nett beschreiben.. ich selbst mag aber nichts an mir - weder mein Aussehen und schon gar nicht meine Persönlichkeit. :/

    Zu meiner Familie habe ich keinen Kontakt mehr, wirklich Freunde habe ich auch keine da sie oder ich mich distanziert habe.
    Vor knapp 3 Jahren nach einer Beziehungstrennung begann es das ich kaum noch Lebensfreude verspüre. Davor war ich sehr spontan, verspielt und hab das Leben genoßen aber seit der Trennung kann ich im Gegenwart von Menschen nichtmehr ich selbst sein - habe immer das Gefühl das ich mich verstellen muss, wahrscheinlich als Schutz abgelehnt zu werden. Ich bin schon sehr sehr müde.

    Seit Wochen denke ich darüber nach alles hinter mir zu lassen und einfach aufzugeben..
    Ich meine das auf die aller Beste Art und Weise - ich habe mich darauf schon eingestellt und für mich gibt es momentan keine schönere/friedlichere Vorstellung als einfach schlafen zu gehen.

    Was ich aber nicht ertrage ist der Gedanke das irgendjemand um mich trauert und ich selbst wenn ich eingeschlafen bin meiner Familie das Leben schwer mache oder ich sie verletze.

    Ich weis nicht was ich tun soll.. geht es jemanden ähnlich und möchte nichts lieber als einfach einzuschlafen - hat aber Angst davor?
     
  2. Achim

    Achim Sehr erfahrener Benutzer

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    Lieber bxv6!

    Da ist im Laufe der Zeit eine große, tiefe Sehnsucht in Dir gewachsen: endlich eintauchen zu können in einen Frieden, in dem Du keine Kraft mehr aufzubringen brauchst, nicht mehr zu kämpfen brauchst ‒ weil nämlich dann und »dort« genügend Geborgenheit und Wärme da sind.

    Denn genau das, genügend Wärme und eine verlässliche Geborgenheit, sind das ‒ wenn ich Dich richtig verstanden habe ‒, was Dir am meisten zum Leben fehlen. Und das vielleicht schon seit ziemlich langer Zeit. Denn alle Beziehungen, in denen Du diese beiden finden könntest, die sind Dir mittlerweile zerbrochen: Familie, Freundschaft, Liebe. Ist es da ein Wunder, dass Du kaum noch Energie zum Leben hast und kaum noch Mut und Zuversicht auch nur zum Überleben? Wer also könnte das denn nicht verstehen, wenn Du sagst »Ich bin schon sehr, sehr müde«? Endlich nicht mehr kämpfen müssen, endlich die Arme voller Frieden sinken lassen dürfen: Wenn es denn so etwas wie ein Paradies doch geben sollte, dann müsste es Dir wohl gerade dieses erlauben und gewähren, nicht? ‒ Und dann ist da ja aber dennoch auch die andere Seite: die Vorstellung von der Trauer und dem Schmerz, den Du anderen unweigerlich mit einem solchen unkorrigierbar letzten Schritt bereiten würdest. Und dann ist das zu sterben letztlich doch genauso qualvoll wie zu leben.

    Sollte ich es einmal so ganz konzentriert ausdrücken, lieber bvx6, dann würde ich vielleicht sagen: Nicht Du musst weg. Sondern das Problem muss weg. Genauso wahr ist allerdings, dass mit einer wie auch immer gearteten einzigen großen Kraftanstrengung nicht gehen wird. Der Weg, der Dich zurück ins Leben führt, wird ein Weg der vielen kleinen Schritte sein. Vielleicht hast Du lange gezögert, lange gezögert, Deinen Eintrag hier ins Forum zu stellen. Und vielleicht hast es Dich viel, viel Mut gekostet. Aber den ersten Schritt dieses Weges hast Du damit schon hinter Dich gebracht: Du hast Dein Schweigen gebrochen. Ob Du einfach einmal zu erzählen anfangen magst, wie das in den drei Fällen jeweils genau gewesen ist und sich abgespielt hat mit dem Verlust von Familie, von Freundschaft und schließlich auch der Beziehung, der Liebe? Das wäre dann echt auch schon gleich der zweite von den vielen Schritten! ‒ Du kannst ja einfach mal in Ruhe überlegen. Gut? ‒

    Viele liebe Mutmach-Grüße!
    Achim

     
  3. thessy

    thessy Benutzer

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    Hallo lieber bxv6,

    Lange habe ich mich hier im Forum an keiner Diskussion/Unterhaltung/Austausch mehr beteilgt und so bin ich doch rein durch Zufall auf deinen Eintrag gestoßen. Aber an Zufälle glaube ich nicht. Dein Eintrag hat mich sehr bewegt, obwohl da rein auf s erste betrachtet, nicht viel von dir steht. Doch liest man zwischen den Zeilen, dann spüre ich deutlich deine Leere, deine Verzweiflung, dass du es müde geworden bist, im Leben zu kämpfen, weiterzumachen. Ich war selbst einmal an diesem Punkt, an einem Punkt, an dem ich dachte, es kann nicht mehr weiter gehen. Und heute sitze ich hier und mein Leben geht weiter. Es ist ein schwerer und anstrengender Weg, so viel sei gesagt, aber die Mühe lohnt sich. Und wenn ich heute zurück Blicke, dann binich Stolz auf mich, was ich durchgestanden haben. Und auch du kannst Stolz auf dich sein, auch wenn du es im Moment vileicht nicht erkennen magst. Ich sage dir, ich bin Stolz auf dich, dass du den ersten Schritg gewagt hast, hier im Forum zu schreiben. Weißt du, ich habe erst kürzlich meine beste Freundin verloren, weil sie nicht mehr kämpfen wollte, weil sie sich aufgegeben hat. Ich kenne also sowohl die Seite der Trauernden um einen geliebten Menschen, als auch die Seite, selbst aufgeben zu wollen.
    Ich würde gerne mehr von dir lesen, mich interessiert deine Geschichte, was hinter dieser Anonymen Person steckt. Vielleicht magst du einfach von vorne beginnen, als alles mit der Beziehungstrennung begann.

    Lass dir Zeit mit dem antworten. Schreib, wenn es dir passt und so viel du möchtest. Behalte dir einfach nur in Einnerung, dass hier jemand sitzt, den deine Geschichte interessiert, der sich für deinen Schmerz, dein Leiden interessiert.
    Ich wünsche dir von Herzen ganz viel Kraft und Mut, nicht aufzugeben.

    Theresa