Einsam

Dieses Thema im Forum "Depression, Sinnkrise, Unzufriedenheit" wurde erstellt von henry, 24 Januar 2020.

  1. henry

    henry Benutzer

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    Hallo.
    Ich weiss nicht was ich tun soll.
    Es ist nun schon fast 2 Jahre her, und immer noch schmerzen die Erinnerung an meine ex unglaublich.
    Am Tag gehts, aber nachts wenn ich schlafe träume ich oft von ihr. Und dann, am nächsten morgen gehts mir dreckig.
    Ich habe ausser auf arbeit und bei der Feuerwehr keine Kontakte, verlasse manchmal wochenlang die Wohnung nicht, ausser zum arbeiten. Ich weiss nicht wo oder wie ich neue Menschen kennen lernen soll, und ich habe auch extrem Angst davor weil mich bis jetzt alle enttäuscht haben.
    Und wenn es darum geht ein Mädchen kennen zu lernen ist es das selbe.
    Ich weiss nicht wo, oder wie und habe angst davor. Ich weiß nicht mehr wirklich wie man normal mit menschen spricht, wie man jemanden kennen lernt.
    Ich hatte seit fast 2 jahren keinen sex mehr, und selbst wenn eine frau nakt vor mir liegen würde ich könnte vermutlich nicht mit ihr schlafen. Auch davor hab ich angst. Was das thema betrifft geb ich meiner ex die schuld.

    Ich fühle mich für nichts und niemanden gut genug, hab angst vor Menschen und vor dem allein sein. Ich vermisse meine ex, obwohl ich das eigentlich nicht will. Immer wieder gibt es phasen wo ich denke das ich sie endlich hinter mir lasse, und dann kommt wieder so ein Traum und ich fange wieder von vorne an. Ich kann mit niemandem darüber reden...
    Ich weiss nicht mehr was ich tun soll. Ich halte das alles nicht mehr aus.
     
  2. Achim

    Achim Sehr erfahrener Benutzer

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    Lieber Henry!

    Der letzte Satz in Deinem Eintrag lautet: »Ich halte das alles nicht mehr aus.« Und das glaube ich Dir sofort. Denn es sind schwere Dinge, von denen Du berichtest: Angst und Schuld, Einsamkeit und Ohnmacht. Alles zusammengenommen, ist das einfach erdrückend. Aber wie soll sich das alles lösen können? Wie sollte es möglich sein, die Freude daran (zurück-) zu gewinnen, einfach auf der Welt zu sein, sich auf das Zusammensein mit anderen Menschen zu freuen? Das alles scheint, wenn man gelesen hat, was Du geschrieben hast, nahezu unendlich weit weg zu sein für Dich. Nichts, was momentan weiter von Dir weg wäre als ein ruhiger, entspannter Friede mit auch nur Dir selbst, nicht wahr? ‒

    Lässt man sich nur genug Zeit, dann ist es nicht schwer, Dir eine ganze Reihe von Dingen zu Deinem Eintrag zu schreiben. Aber jetzt, für den Anfang vielleicht, möchte ich nur zwei Dinge herausgreifen: Deine Ex-Freundin und den Kontakt mit Menschen im Allgemeinen:

    Sie ist das Erste, worüber Du schreibst, und sie ist auch das Letzte, was Du erwähnst. Zwei Jahre ist die Trennung nun schon her, schreibst Du. Und dennoch gibt es wohl, denke ich fast, keinen anderen Menschen, der Dir so nahe ist, so nahe geht ‒ wie sie. Bis in Deine Träume ist sie bei Dir, »verfolgt« Dich ‒ so sehr beschäftigt Dich das, was da zwischen Euch geschehen und vorgefallen ist. Du hast jetzt beim ersten Mal noch gar nicht beschrieben, was sich denn eigentlich alles ereignet hat, an Gutem und Schönem wie auch an schwierigen und Belastendem, und das kann ich auch gut verstehen. Dennoch wäre es vielleicht gut, Du hättest die Gelegenheit, einfach mal alles zu erzählen, und sei es hier im Forum. Was meinst Du?

    Und das Zweite also: der Kontakt mit Menschen im Allgemeinen. Du meidest sie ‒ und vielleicht fliehst Du sie bisweilen sogar, versuchst entweder, ihnen zu entkommen oder auch, gar nicht erst in Kontakt mit ihnen zu kommen. Zwei Deiner Sätze sind mir besonders aufgefallen: » […] ich habe auch extrem Angst davor, weil mich bis jetzt alle enttäuscht haben« und: »Ich fühle mich für nichts und niemanden gut genug, hab Angst vor Menschen und vor dem Alleinsein.« Solche Sätze schreibt man nicht »einfach so«, denke ich, sondern sie haben eine Geschichte. Und das interessiert mich: die Geschichte Deiner Enttäuschungen. Wie hat das alles angefangen, damals? Wie war das mit Deinen Eltern und vielleicht mit Deinen Geschwistern? Und wie ist das gekommen, im Laufe der Jahre, dass Dein Selbstwertgefühl so tief in den Keller abgerutscht ist? Vielleicht haben ja sogar mehrere Dinge dazu beigetragen? ‒

    Wenn Du also magst, dann schreib’ einfach gerne wieder. Gut?

    Viele liebe Mutmach-Grüße!
    Achim
     
  3. henry

    henry Benutzer

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    Hallo Achim
    Ich hab mich sehr über deine Antwort gefreut!

    Die Geschichte wieso ich menschen nicht vertraue ist sehr sehr sehr lang, aber villeicht ist es gar nicht verkehrt das mal auf zu schreiben.

    Schon im Kindergarten hatte ich immer Schwierigkeiten mit den anderen Kindern.
    Von der 1-3 Klasse ging es so einigermaßen, in der 4 wurde es ganz schlimm.
    Mobbing weil ich anders war, weil ich arm war, weil ich klein war, weil es mich nicht interessiert hat was andere von mir Denken.
    In der 4. Wurde ich fast jeden Tag geschlagen. Und ich hab sowas nicht auf mir sitzen lassen. Ich hab mich gewehrt mit allen Mitteln.
    Wenn ich mal zur schule ging hab es fast immer Schlägereien. Deshalb ging ich immer seltener.
    Dann wurde ich von der schule geworfen.
    Die 5. Klasse war einigermaßen okay, ich hatte da meine ersten 2 freunde... leider hatte ich es mir da schon angewöhnt die anderen zu schlagen, wenn sie mich hänselten.
    Schließlich wurde ich auch da raus geworfen, dann kam ich in die Klapse. Natürlich habe ich da den Kontakt zu den Freunden verloren.
    Die Klapse hat dan alles erst richtig schlimm gemacht, alle paar tage sas ich im "SiTz" (Sicherheits-Zimmer)
    War praktisch einzelhaft. Das war die schlimmste zeit meines lebens.

    Du musst dir vorstellten, das ich damals in der 6. Klasse war, also zwischen 11 und 12 Jahren und wenn ich mich z.b geweigert habe beim schul Sport mit zu machen, oder wenn ich mich geweigert habe am Schreibtisch zu Lesen statt im bett kamen 4 starke Männer, haben mich auf eine Trage gefesselt wo ich absolut bewegungsunfähig war und haben mich in diese rosarote zelle gebracht, die c.a 2×2 meter gross war und NICHTS drinn hatte ausser eine am boden befestigten gummi Matratze.
    Vorher wurde ich aber noch gezwungen mich komplett auszuziehen, damit ich nichts in die zelle schmuggeln konnte.
    In der zeit hab ich angefangen zu rauchen, und habe den Kontakt mit meinem vater abgebrochen.

    Danach war ich in c.a 25 verschiedenen schulen und auf etwa 3 verschiedenen Bauernhöfen.
    Irgendwann kam ich in ein Internat, das war an meinem 13. Geburtztag.
    Das ging eine zeit lang gut da hab ich wieder 3-4 Freunde gefunden. Ich war da zwar nicht beliebt, aber ich konnte mir mit rauchen trinken, kiffen und Schlägereien respekt verschaffen, so das man mich in ruhe ließ.
    Da lernte ich laura kennen, sie war da meine beste Freundin. Ich vermisse sie heute noch, weil sie mich verstanden hat und ich mit ihr über alles reden konnte. Vermutlich war ich auch ein wenig verliebt in sie...

    Naja irgendwann wurde ich auch da raus geworfen, danach war ich ein halbes jahr auf einem Bauernhof und danach in einem neuen Internat.
    Da war es super...
    Die Betreuer waren super, mit denen stehe ich bis heute in Kontakt. Da hab ich den Kontakt zu den alten Freunden wieder verloren, dafür habe ich wieder neue gefunden.

    Irgendwann g8ng es aber auch da nicht mehr, und ich kam per Richterlicher Verfügung in die Psychiatrie.
    Da war ich etwa 3 Monate.
    Da habe ich meine beste und längste Freundin kennen gelernt. Sie war wie eine Schwester für mich. Ich habe alles für sie gemacht, und sie für mich.

    Nach der Psychiatrie ging es dann ins jugendgefängnis für etwa 2 monate. Das war an meinem 14. Geburtztag übrigens...
    Da waren die "Häftlinge" derartig degeneriert und dumm (mir würden noch sehr viele unschöne worte einfallen) das ich freiwillig (!) In Isolationshaft ging. Von 2 monaten war ich etwa 25 tage in Isolationshaft, weil ich die Mitmenschen nicht ertragen habe.

    Danach hab ich angefangen zu arbeiten, und an meiner ersten Arbeitsstelle wurde ich extrem, wirklich extrem von meinem Vorarbeiter gemobbt, aber der chef hat mir nie geglaubt, weil der Vorarbeiter das immer hinter seinem rücken gemacht hat.

    Da der job aber kaum bezahlt war, habe ich mit 16 etwas neues gesucht und ging auf den bau.
    Ich habe beim vater meiner besten Freundin gearbeitet, das war ein riesen Fehler.
    Nach etwa 3 Monaten binn ich "weggelaufen" weiö ich auf der baustelle von einem Bauarbeiter einer anderen firma bedroht wurde.

    etwa 1 jahr später, kurz nachdem meine ex schluss gemacht hat, hab ich nochmal bei dem vater meiner besten angefangen, aber es ging wieder nicht gut. Seit da hab ich kein wort mehr mit ihr gewechselt.

    Also habe ich kurz nachdem ich meien Freundin, mein zugause und meinen hund verloren habe meinen job hingeschmissen, und somit meine einzige wahre Freundin verloren.

    Seit da hab ich nie wieder 100% gearbeitet, und keine wirklichen Freundschaften mehr geschlossen, ausser mir meinem Seelenverwandten, jack. Leider sind wir zwei absolute sture Holzköpfe und streiten uns oft, und ich merke wie ich ihn immer weiter weg stosse um nicht verletzt zu werden.

    Die einzigen anderne die ich als freunde bezeichnen könnte, sind ein Suizidaler Alkoholiker, und ein krebskranker. Und aus guten Gründen vermeide ich Kontakt mit ihnen.

    Ich traue mich nicht frauen an zu sprechen, nicht weil ich schüchtern wäre sondern weil ich angst habe das daraus tatsächlich etwas werden könnte. Sogar vor einem one nigth stand habe ich irgendwie angst...
    Was wenn ich mich doch verliebe? Oder wenn ich sie entäusche?

    Ich bin jetzt seit neuem in der Feuerwehr, und ich würde jedem kamerad mein leben anvertrauen, aber niemals einem von ihnen meine Gefühle...

    Die einzige Hoffnung die ich habe, ist das ich die Einsamkeit zu schätzen lerne.

    Dabei hätte ich gerne irgendwann eine Familie. Ich hatte mit meiner ex sogar schon Kinderpläne...

    Ich vermisse sie, und das hasse ich am meissten daran, denn eigentlich hasse ich sie so sehr.
     
  4. Achim

    Achim Sehr erfahrener Benutzer

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    Lieber Henry!

    Nun ist es schon einen ganzen Monat her, dass Du im Forum zurückgeschrieben hast, und ich habe noch immer nicht die Kurve gekriegt, Dir zu antworten. Das tut mir sehr leid, und ich kann mich nur entschuldigen. Das ist eine unendlich lange Zeit, glaube ich, wenn man auf eine Antwort wirklich wartet. Nun ist es also Sonntagmorgen, und ich kann vor dem Gottesdienst noch ein paar Zeilen in die Maschine klopfen, hoffe ich…

    Es ist gar nicht so einfach, auf all das im Einzelnen einzugehen, was Du erzählt hast. Ich schreibe nun seit zwanzig Jahren im Internet, und ich kriege dabei wahrlich viel zu lesen. Dennoch ist es eher selten, dass ein ganzes Leben wirklich von A‒Z aus einer einzigen Kette von dermaßen katastrophalen Situationen besteht, wie Du es geschildert hast. Vom Kindergarten bis zum heutigen Tage hast Du anscheinend nie etwas anderes kennengelernt als Zwangsmaßnahmen, Gewalt und Heimatlosigkeit. Momente der Ruhe, der Stille, in denen manchmal auch nur einfach nichts passierte und Du irgendwie mal hättest zu Atem und zur Besinnung kommen können, hat es eigentlich nie gegeben, wenn ich Dich richtig verstanden habe. Immer nur Atemlosigkeit, Hast ‒ und nirgends ein Halt. Immer nur fallen, fallen, fallen. Immer nur Schmerzen, körperlich und seelisch. Es grenzt nahezu an ein Wunder, dass Du diese pausenlose Quälerei bis heute ganz buchstäblich schier auch nur überlebt hast!

    Mir ist etwas aufgefallen in dem, was Du geschrieben hast. Besser gesagt, etwas, das Du eben… nicht geschrieben bzw. nur am Rande erwähnt hast: dass Du den Kontakt zu Deinem Vater abgebrochen hast, als Du etwa in der 6. Klasse warst. Es ist das einzige Mal in Deinem Eintrag, dass Du etwas Weniges zum Stichwort »Familie« sagst. Du beschreibst tatsächlich sehr ausführlich, wie die einzelnen Stationen ausgesehen haben, die Du durchlaufen hast. Aber wie in dieses ganze Puzzle des Unheils Dein Vater und Deine Mutter gehören, darüber hast Du, von dieser einen erwähnte Bemerkung abgesehen, noch nichts gesagt (und vielleicht ja auch etwaige Brüder und oder Schwestern). Du hattest bestimmt Deine Gründe dafür. Aber es ist mir halt aufgefallen, dass sie so gar nicht auftauchen, denn gerade weil die Probleme ja so dermaßen früh angefangen haben, waren Deine Eltern ja nur umso dringlicher gefordert und in der Pflicht. Wenn Du aber ja sagst, dass Du im Alter von 12 Jahren schon von Dir aus, aktiv, den Kontakt zu Deinem Vater abgebrochen hast, dann scheint mir immerhin schon so viel klar sein, dass Du von ihm nicht nur keine nennenswerte Unterstützung bekommen hast, sondern womöglich eher noch unter ihm ziemlich zu leiden hattest. Je mehr ich darüber nachdenke, desto deutlicher kommt mir das Bild eines Gefangenen in den Sinn, der Du warst, und der nicht die geringste Chance hatte, von sich aus irgendwann einmal auszubrechen ‒ und mit alledem zu brechen, alles hinter Dir zu lassen. Dein ganzes Leben, bekomme ich den Eindruck bist Du herumgereicht, herumgestoßen worden. Menschliche Beziehungen aller Art waren fast nie irgendwie schön und entspannend, von Laura und einem anderen Mädchen, das Du an anderer Stelle nur Deine »Ex« nennst und zugleich liebst und hasst, einmal abgesehen. (Habe ich das richtig verstanden?) Und wenn Dir jetzt die Einsamkeit als der größtmögliche Gewinn erscheint, weil alles andere nur noch katastrophaler wäre, dann kriegt man vielleicht eine Ahnung davon, wie es gerade in Dir aussehen mag.

    Natürlich kannst Du jederzeit gerne wieder zurückschreiben. Und ich sähe dann auch ganz bestimmt zu, dass ich diesmal deutlich schneller wäre mit dem Antworten, so dass Du nicht, wirklich nicht, wieder einen ganzen Monat würdest warten müssen. Gut?



    Viele liebe Mutmach-Grüße!
    Achim
     
  5. henry

    henry Benutzer

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    Hay
    Macht nichts das es etwas länger gedauert hat, ich freu mich das überhaupt jemand antwortet...

    Momentan ist es wieder kaum auszuhalten, hauptsächlich wegen meiner finanziellen Situation...

    Ausser zu meinem besten (und auch einzigen) Freund und meiner mutter hatte ich seit Wochen keinen Kontakt zu menschen die nicht Arbeitskollegen oder Kameraden der Feuerwehr sind...

    Und zu meiner ex: ich liebe sie nicht, schon lange nicht mehr. Manchmal wenns mir nicht so gut geht denke ich zwar das ich sie noch liebe aber das ist nicht so. Ich hasse sie. Aber ich vermisse es neben jemandem auf zu wachen, ich vermisse die nähe und die wärme.

    Ich habe heute gelesen das einsame Menschen lange und heisse duschen oder bäder nehmen um menschliche nähe zu imitieren, das fand ich faszinierend...
    Und es trifft ziemlich auf mich zu musste ich feststellen.

    Seit fast zwei Jahren hab ich keinen Kuss mehr gehabt...
    Und ich hocke nur noch zu hause weil ich weder lust noch geld habe was zu machen, weil ich keine lust habe jemanden kennen zu Lernen und doch muss ich ja jemanden kennen Lernen wenn ich diese nähe wieder haben will.
    Andererseits, wozu?
    Das endet eh nur wieder in Schmerz...

    Und ich hätte gerne wieder jemanden für den ich morgens aufstehen kann, denn für mich brauch ich nicht Aufstehen

    Was mir auch aufgefallen ist, ist das ich immer mehr vergesse was ich eigentlich behalten möchte. Immer mehr schöne Erinnerungen scheinen verloren zu gehen...
    Namen, momente, gerüche...

    Ich möchte mich nur noch hinlegen und schlafen.
    Ich bin müde.
     
  6. Achim

    Achim Sehr erfahrener Benutzer

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    Lieber Henry!

    Bitte entschuldige, dass es auch jetzt wider Erwarten so lange gedauert hat; ich war (wieder einmal) fast zwei Wochen ohne funktionierendes Internet. Momentan geht es gerade, und da will ich jetzt also umgehend die Gelegenheit beim Schopfe packen und die Antwort an Dich abschicken. ‒

    Wenn Geldsorgen chronisch werden, dann können sie bisweilen beginnen, das Leben selbst anzunagen; da kann ich Dich gut verstehen. Ich meine, Deinen Zeilen entnehmen zu können, dass Du aber ja nichts arbeitslos bist, da Du ja von »Arbeitskollegen« sprichst, richtig? Wenn Du mochtest, kannst Du jka mal in ein paar Sätzen skizzieren, wie Du dennoch dahin gekommen bist, dass Dir der Gedanken an das Geld zur Zeit so sehr zusetzt.

    Und natürlich kann ich ebenso verstehen, dass Du schreibst, dass und wie sehr Du die Nähe eines Mädchens vermisst, denn zu zweit, in Gemeinsamkeit, Gemeinschaft fühlt sich das Leben, wenn ich Dich richtig verstanden habe, eigentlich erst wie Leben an, das diesen Namen verdient… ‒ Könnte man das so ausdrücken, was meinst Du? Jedenfalls scheint Dein seit Deiner Trennung so deutlich gestiegener Warm- bzw. Heißwasserverbrauch ja ein unmissverständlicher Hinweis darauf zu sein, wie kalt Dir innerlich in dieser Phase Deines Lebens oft ist. Dennoch scheinst Du, wenn ich gut genug gelesen habe, fast hin- und hergerissen zu sein bei der Frage, ob Du Dir nun eine neue Freundin wünschen sollst oder nicht: Du hast kaum noch Hoffnung, dass eine neue Beziehung sich langfristig stabil entwickeln könnte, andererseits sehnst Du Dich nach jemandem, für den Du morgens aufstehen kannst. Und da musst Du Dich bisweilen ganz schön hin- und hergerissen fühlen, stelle ich mir vor.

    Und dann schreibst Du noch, dass Dir das Schöne mittlerweile wie durch die Finger zu rinnen scheint: Alles Gute, Schöne ‒ vielleicht ja auch: Wahre ‒ scheint mehr und mehr vom Nebel des Vergessens nach und nach lautlos verschluckt zu werden. Und wenn von alledem jeweils nur das Gegenteil übrigbleibt ‒ also das Schlimme, Hässliche und Verfälschte ‒, dann nimmt es wahrlich nicht Wunder, dass der letzte Satz in Deinem Eintrag schließlich lautet: »Ich bin müde.« Und der Gedanke daran, die Arme sinken lassen zu können, vielleicht sogar endgültig, ist so wohltuend… Nicht?

    Mir ist beim Lesen ‒ und auch beim Schreiben ‒ noch mal ein Gedanke durch den Kopf gegangen, den ich dann in meinem bereits ersten Post vom 5. Februar, als ich nachgeschaut habe, wiedergefunden habe: »Wie hat das alles angefangen, damals? Wie war das mit Deinen Eltern und vielleicht mit Deinen Geschwistern?« Du hast darauf nicht reagiert, aber ich kann natürlich nicht einschätzen, aus welchem Grunde: ob Dir die anderen Themen wichtiger erscheinen, ob es Dir zu naheging, zu schmerzhaft war… oder ob Du es am Ende vielleicht auch einfach vergessen hast. Von meiner Seite jedenfalls besteht noch ein lebhaftes Interesse an dieser Frage!


    Jetzt jedenfalls erst einmal wieder
    viele liebe Mutmach-Grüße!
    Achim
     
  7. henry

    henry Benutzer

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    Hallo achim, macht nichts die letzten wochen gingen eh sehr schnell vorbei...
    Nein, ich bin nicht arbeitslos ich habe sogar einen einigermaßen gut bezahlten job, mit sehr hoher Verantwortung.
    Das Problem ist, da ich noch keine Autoprüfung habe kann ich es nicht vollzeit machen, solange ich es nicht vollzeit machen kann keine autoprüfung. Der Vorteil vom allein sein ist, das die Geldsorgen nur mir zusetzen und keine weit reichenden Konsequenzen haben. Und aktuell kann ich eh grad ziemlich viel arbeiten, aufgrund der aktuellen lage...
    Spannende Zeit, im Moment...
    Auch wenn die Todesfälle natürlich nicht schön sind, genieße ich es wie die welt still zu stehen scheint.
    Es wurde alles viel langsamer, die erde scheint sich nicht mehr so schnell zu drehen und es ist (auch wörtlich) nicht mehr so laut.
    Schade das nach der Krise vor der Krise sein wird, und die leute eh nix draus Lernen.


    Und es ist nicht so das ich zu zweit sein muss, ich kann durchaus auch alleine sein aber das ist schon eine verflucht lange zeit ohne menschliche Nähe.
    Das Leben kann auch allein schön sein, aber mir fehlt für vieles schönes die Motivation wenn ich allein bin.
    Zum Beispiel Kochen, ich koche echt gerne und auch ziemlich gut, aber ich werde mich nicht stundenlang in die Küche Stellen um etwas zu kochen das ich dann doch nur schnell schnell beim zocken runter würge.
    Da kann ich mir auch ne dose Ravioli aufmachen.
    Selbiges habe ich z.b beim Wandern/spazieren (wobei ich alleine wandern auch echt langweilig finde )
    Und bei vielen sachen ist es so ...
    Ich brauche wie jemanden um den ich mich kümmern, und den ich beschützen kann...
    Aber ich hab Angst, vor den menschen und noch viel mehr vir dem allein sein.

    Und ja andererseits bin ich wirklich hin und her gerissen zwischen scheiss auf alle ich kann auch allein glücklich sein, und ich vermisse das alles...

    Zu meiner Fammile gibt es nicht viel zu sagen, bei meiner mutter wohne ich, mit meinen Geschwistern habe ich selten aber guten Kontakt und sonnst ist da halt niemand. Hab halt nie gewusst was ich dazu schreiben soll...
    Ich sage es mal so, würde ich morgen tot in ner gasse liegen, gäbe es 4 leute die an meiner Beerdigung wirklich traurig wären.
    Wenigstens, sind meine Angelegenheiten so weit geregelt :)

    Am ende kann es noch so schwer sein, wir sollten ein wenig dankbarer sein, denn uns geht es so gut.
    Andere verhungern, werden zu Kindersoldaten gemacht oder zu sexsklaven und wie tiere verkauft.
    Nachrichten hören, tut meiner Psyche auch nicht gut...
    Da bekomm ich noch n schlechtes Gewissen weil es mir "nicht gut geht"

    Das leben ist kein Ponyhof, und die menschen sind grausame Arschlöcher, mit ein paar wenigen Ausnahmen wie dir vielleicht... ich sollte mich damit abfinden.

    Ich hoffe dir geht es gut
    Liebe Grüße Simon